© Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
ETFs auf Speed

Leveraged ETF: Superchance oder Geldvernichtung?

von Nils Matthiesen

Die Superperformer unter den ETFs waren in der letzten Dekade sogenannte Leveraged ETFs. Handelt es sich etwa um einen Geheimtipp zur Gewinnmaximierung?

Wer sich anschaut, welche ETFs in den letzten Jahren am besten abgeschnitten haben, dem werden sogenannte Leveraged ETFs ins Auge fallen. Nur zwei Beispiele: Der Amundi ETF Leveraged MSCI USA Daily ETF stieg in den letzten zehn Jahren um mehr als 950 Prozent. Und die Performance des Xtrackers S&P 500 2x Leveraged Daily Swap ETF 1C konnte sich ebenfalls sehen lassen: Mehr als 650 Prozent plus. Damit ließen die beiden ETFs die Konkurrenz weit hinter sich, selbst gute Tech-ETFs konnten bei den Zuwachsraten nicht mithalten.

Wer etwa im Jahr 2011 1.000 Euro in den Amundi-ETFs investierte, freut sich nun über eine Verzehnfachung seines Einsatzes. Sind Leveraged-ETFs also generell eine Empfehlung?

Leveraged-ETF: Hohe Chance, hohes Risiko

Die Antwort ist wie so oft nicht einfach. Es hängt in erster Linie davon ab, wie viel Risiko du bereit bist einzugehen. Oder um es anders auszudrücken: Du solltest auf keinen Fall dein ganzes Geld auf einen Leveraged-ETF setzen. Warum? Dazu musst du verstehen, wie ein Leveraged-ETF funktioniert. „Leverage“ bedeutet übersetzt „Hebeln“. Dahinter steckt die Strategie, dass sie die Bewegungen des zugrundeliegenden Index verstärken, beispielsweise um den Faktor 2. Bedeutet: Steigt der Index um 10 Prozent, klettert der Leveraged ETF um 20 Prozent.

Noch ein Beispiel: Ein „normaler“ ETF, der zum Beispiel dem US-amerikanischen Leitindex S&P 500 folgt, wird im Groben und Ganzen die gleichen Renditen wie der S&P 500 Index erzielen. Ein gehebelter ETF versucht dagegen, die täglichen Schwankungen der zugrunde liegenden Vermögenswerte durch den Einsatz von Optionen oder Schuldverschreibungen zu verstärken. Das Verhältnis für die meisten gehebelten ETFs liegt normalerweise bei 2:1 oder 3:1.

Wenn du also kurz- oder langfristig von steigenden (oder fallendenden Kursen bei „short“-Produkten) Kursen ausgehst, bieten gehebelte ETFs ein Möglichkeit deine Rendite spürbar zu verbessern.

Leverage-ETF: Wo ist der Haken?

Leveraged-ETFs sind also ein zweischneidiges Schwert: Sie können Renditen stark verbessern, aber auch Verluste verstärken. Wenn der S&P 500 im Minus ist, wird der entsprechende Leveraged-ETF doppelt oder dreifach so viel verlieren. Fällt der Index beispielsweise um 10 Prozent, fällt der ETF gleich um 20 Prozent. Aber das ist nicht der einzige Haken.

  • Keine genaues Abbildes des Referenzindex: Gehebelte ETFs versuchen, die Kurschwankungen ihrer zugrunde liegenden Vermögenswerte auf täglicher Basis nachzubilden. Konkret: Am Ende jedes Tages muss der Hebel angepasst werden, um die Preisänderungen der zugrunde liegenden Wertpapiere zu berücksichtigen. Dies bedeutet, dass möglicherweise diverse Optionen gekauft oder verkauft werden müssen, um das gleiche Vielfache (2x oder 3x) zu den zugrunde liegenden Vermögenswerten beizubehalten. Das ist nicht einfach. Infolgedessen bilden gehebelte ETFs die Wertentwicklung der zugrunde liegenden Vermögenswerte über längere Zeiträume oft nicht 1:1 ab. Ein weiteres Risiko, weswegen gehebelte ETFs eher für Zocker interessant sind als für langfristige Anleger.

  • Höhere Verluste: Noch ein Argument gegen gehebelte ETFs: Im Falle einer Aktienkrise verstärken sich die Verluste im Verhältnis zu herkömmlichen ETFs enorm, wodurch die Werte noch mehr ins Bodenlose sinken. Wenn ein Index 10 Tage lang um jeweils um 5 Prozent pro Tag fallen würde, wäre die erwartete Rendite für den Index ein Verlust von 40 Prozent und für den 2x gehebelten Index ein Verlust von 80 Prozent. Sich von solchen Rückschlägen zu erholen kann dauern.

  • Hohe Kosten: Da sie mehr Aufwand verursachen, weisen gehebelte ETFs höhere Verwaltungsgebühren und Transaktionskosten haben als ungehebelte ETFs. Die Verwaltungsgebühren liegen typischerweise bei 1 Prozent oder mehr.

  • Volatilitäts-Risiken: Damit nicht genug. In der Regel sind die Märkte in der Regel volatil, es geht mal nach oben, mal nach unten. Und gerade in volatilen Märkten weisen gehebelte ETFs Schwächen auf. Durch die Hebelung entsteht eine Art negativer Zinseszinsefffekt.

Fazit

Ja, gehebelte ETFs bieten große Chancen – aber auch große Risiken. Die beiden genannten Super-ETFs mit unglaublichen Zuwächsen sind eine Ausnahme, viele Leveraged ETFs schneiden schlechter ab als ihre ungehebelten Pendants. Angesichts der unbestreitbaren Nachteile solltest du von diesen Produkten also eher die Finger lassen. Außer Du liebst das Risiko.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

Noch mehr Zaster