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Schon gewusst?

Fünf Irrtümer rund um Lebensversicherungen

von Nils Matthiesen

Kapitallebensversicherungen gelten als Altersvorsorge-Klassiker. ZASTER erklärt, warum der Abschluss eines Neuvertrags aber meist keine gute Idee ist.

Der Ruf der Lebensversicherung hat stark gelitten. Das liegt unter anderem daran, dass sicher auch dir schon einmal ein schmieriger Versicherungsvertreter eine andrehen wollte. Es winken halt so hohe Vermittlungsprovisionen, dann kann man schon einmal penetrant werden. Aber du solltest dich nicht beirren lassen. Die klassische Kapitallebensversicherung ist tot. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) beraubt die Lebensversicherer ihres Geschäftsmodells. Ohne Zinsen können die Versicherer den Kunden keine lukrativen Angebote mehr machen. Früher konnten die Versicherer 2 Prozent Zinsen und mehr locker garantieren, heute beträgt der Garantiezins gerade einmal mickrige 0,9 Prozent. Da kommt am Ende nicht viel rum. Zudem wissen viele Menschen überhaupt nicht, was Lebensversicherungen leisten, und was nicht. ZASTER klärt auf.

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0,9 Prozent Zinsen sind doch nicht schlecht!

Fast 1 Prozent Zinsen garantiert? Wo bekommt man das heute noch? Schließlich gibt es etwa für Tages- oder Festgeld kaum noch Zinsen. Aber Vorsicht: Der Zins gilt nur für einen Teil der eingezahlten Beträge. Die Versicherungen ziehen einen Batzen für den Risikoschutz und für verschiedene Kosten ab. Unterm Strich lohnt sich das nicht.

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Immerhin kann ich keinen Verlust machen!

"Mit einer Kapitallebensversicherung kann ich gut schlafen und bin sicher – im Gegensatz zu Aktien – dass mein Geld nicht weniger wird." Wer so denkt, denkt leider falsch. Denn bei Versicherern, die einen besonders großen Teil deiner Beiträge für Kosten und Risikoschutz vereinnahmen und gleichzeitig schlecht wirtschaften, kannst du am Ende tatsächlich weniger Geld erhalten, als du eingezahlt hast.

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Ich profitiere von Überschüssen!

Schön wäre es. Zwar locken Lebensversicherungen gerne mit Überschussbeteiligungen, die entstehen, wenn der Versicherer solide wirtschaftet und dadurch mehr herausspringt als der Garantiezins. Verlassen darfst du dich darauf aber nicht. Denn die beim Vertragsabschluss gegebenen Zusagen sind unverbindlich. Du kannst also nur darauf hoffen, dass du etwas aus dem Risikoüberschuss bekommst.

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Die Einkünfte aus der Lebensversicherung sind abgabenfrei!

Auch das stimmt nicht. Seit 2004 musst du für die Leistungen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung aufbringen. Bedeutet: Nur, wenn du den Vertrag vor 2005 abgeschlossen, mindestens fünf Jahre eingezahlt und einen Mindesttodesfallschutz vereinbart hast, musst du auf die Kapitalzahlung keine Steuern zahlen. Ansonsten kommt die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent zum Tragen, obendrauf gegebenenfalls noch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

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Ich brauche eine Kapitallebensversicherung für den Schutz meiner Familie!

Nein, schließlich gibt es noch den kleinen Bruder der Kapitallebensversicherung, die Risikolebensversicherung. Dazu musst du wissen: Beide Varianten sind Versicherungen für dein Leben. Stirbst du, gibt es Geld für deine Angehörigen. Der feine Unterschied: Bei der Risikolebensversicherung fließt das Geld nur, wenn du während der Laufzeit stirbst. Bei der Kapitallebensversicherung bekommst du auch Geld, wenn du das Ende der Laufzeit noch erlebst. Weil mit der Risikolebensversicherung kein Kapital aufgebaut wird, sind die monatlichen Raten besonders günstig. Es geht schon ab ein paar Euro monatlich los.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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