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Ein schmaler Grat

Was ist der Unterschied zwischen Geiz und Sparsamkeit?

von Nils Matthiesen

Sparsamkeit ist gut und Geiz ist schlecht. Aber wo ziehst du die Linie?

Sparsamkeit gilt als Tugend, Geiz dagegen als Makel. Aber worin besteht eigentlich der Unterschied? Schauen wir einmal, was Wikipedia über Geiz sagt:

  • Übertriebene Sparsamkeit, damit verbunden auch den Unwillen, Güter zu teilen

Im Gegensatz dazu wird Sparsamkeit definiert als:

  • Tugend, die einen maßvollen Umgang mit Geld und wirtschaftlichen Gütern sowie natürlichen Ressourcen zum Gegenstand hat

Die Vorteile geringerer Ausgaben

Das Ziel ist beiden Begriffen identisch: Weniger Geld ausgeben. Wobei Geiz eine deutlich negativere Note enthält, Sparsamkeit dagegen eine viel positivere.

Der Grundgedanke ist bei beiden aber nicht per se schlecht, schließlich ergeben sich aus bewusstem Umgang mit Geld diverse Vorteile: einen Notfallgroschen für unvorhersehbare Ereignisse haben und langfristige Ziele wie Vermögensaufbau, eine Immobilie oder eine Weltreise verwirklichen. Allerdings ist die Art und Weise entscheidend, wie du das Ziel umsetzt.

Der schmale Grat zwischen Geiz und Sparsamkeit

Wie wäre es mit folgender Definition von Geiz: Geiz bedeutet, das Sparen über alles zu stellen und deine Ausgaben auf Kosten der Lebensqualität zu reduzieren. Geizig ist etwa, wenn du aus Geldgründen zu Hause bleibst und nicht mehr an sozialen Aktivitäten teilnimmst.

Ein Beispiel: Dir ist die Mitgliedschaft im Sportverein zu kostspielig oder du lehnst den Kneipenabend mit deinen Freunden ab, weil dir das Bier dort zu teuer ist. Geizig ist, wenn dir Finanzen wichtiger als Beziehungen sind. Etwa, wenn ein Freund mit deinem Fahrrad stürzt und du dir zunächst Gedanken über die Schäden am Rad machst. So eine Denke ist nicht gesund.

Sparsamkeit bedeutet dagegen, deine Ausgaben zu senken, ohne die Lebensqualität nachhaltig zu beeinträchtigen. Beispiel: Du hast ein zwei Jahre altes Smartphone, das noch bestens funktioniert. Wenn du dir jetzt ein Neues für viel Geld kaufst, geht es dir wahrscheinlich nicht viel besser. Das kannst du dir also sparen. Einige weitere Beispiele:

Ausgehen

  • Geizig ist, eine Einladung zum Essen einfach abzulehnen, weil es zu teuer ist
  • Sparsam ist, die Einladung anzunehmen sich aber monatlich ein festes Budget für solche Anlässe einzurichten

Geschenke

  • Geizig ist, gar keine Geschenke für Freunde und Familie zu kaufen oder nur ein billiges Alibigeschenk
  • Sparsam ist, ein tolles Geschenk zu kaufen, dabei aber ein besonderes Schnäppchen zu machen

Shopping

  • Geizig ist, immer das Billigste vom Billigen zu kaufen
  • Sparsam ist, qualitativ hochwertige Produkt mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis zu erwerben, die jahrelang halten und ihre Aufgabe anstandslos erfüllen.

Geiz setzt falsche Prioritäten

Geiz hat nur eine Kennzahl: Den zu sparenden Geldbetrag. Er kann zu schnellem Reichtum führen, der Preis ist aber zu hoch. Denn die Annahme, das Reichtum automatisch zu Glück führt, ist falsch. Wie bei vielen Dingen im Leben solltest du auch das Thema Geld nicht zu verkrampft angehen. Sparen ist nicht alles, du musst dir auch Genuss und Lebensfreude erlauben. Also: Sparsam, ja. Geizig, nein.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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