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Online-Test beweist

Du bist reich, wetten?

von Nils Matthiesen

Eine Webseite vergleicht weltweit Einkommen und Besitz - du wirst überrascht sein, wie reich du bist.

Der Nachbar fährt mal wieder mit einer neuen Karre vor? Dein bester Freund fliegt in diesem Jahr schon zum dritten Mal in den Urlaub? Und ein Kollege hat schon wieder das neuste iPhone in der Tasche? Manchmal beschleicht einen das Gefühl, das andere viel mehr Geld zur Verfügung haben. Genau das ist der beste Moment, die Seite Globalrichlist zu besuchen. Du wirst überrascht sein, wie reich du bist.

Verblüffende Ergebnisse

Das Prinzip hinter der Seite ist simpel. Du gibst dein Herkunftsland ein und wie viel du netto verdienst. Augenblicke später erfährst du dann, wie wohlhabend du im Vergleich zu den Reichsten und den Ärmsten dieser Welt bist. Nehmen wir den deutschen, vollzeitbeschäftigten Durchschnittsbürger, der pro Monat 3.885 Euro bekommt. Das entspricht einem Jahresgehalt von rund 46.620 Euro brutto und somit einem Netto von etwa 32.000 Euro.

Deutsche Gehälter nicht der Maßstab

Jetzt kommt’s: Schon mit diesem Durchschnittgehalt zählst du laut der Seite zum reichsten Prozent der Welt! Und im Ranking reicht es zu einem Platz unter den Top 40 Millionen. Selbst mit 10.000 Euro netto pro Jahr landet man noch unter den einkommensreichsten 15 Prozent der Welt – also knapp über Hartz 4-Niveau. Macht also ein gutes Gefühl, hört sich aber ein wenig unrealistisch an, oder?

7 Stunden für eine Dose Cola

Was man der Seite zu Gute halten muss: Sie betrachtet allein Gehälter, nicht die Lebenshaltungskosten. Wenn Du auf der Seite weiter nach unten scrollst erfährst du zum Beispiel, dass ein Arbeiter in Indonesien statt wie der Durchschnittsdeutsche nicht 16,67 Euro pro Stunde im Schnitt nur 32 Cent bekommt und im Gegensatz zu Dir ein Ghanaer nicht wenige Minuten, sondern 7 Stunden malochen muss, um sich eine Dose Cola leisten zu können. Die Macher der Seite wollen damit zum Nachdenken anregen – und natürlich auch zum Spenden. Schließlich sind auf der Seite nicht zufällig Schaltflächen der Hilfsorganisation CARE International verteilt. Also einer Organisation, die sich weltweit die Bekämpfung der Armut auf die Fahnen geschrieben hat.

Fiese Psychologie

Globalrichlist beleuchtet sozusagen nebenbei ein weiteres Phänomen. Warum fühlen wir uns häufig ärmer, als wir tatsächlich sind? Dazu zwei Theorien:

  • Der Großteil der Weltbevölkerung ist im Verhältnis zu uns arm, sogar sehr arm. Deswegen gibt es eine extreme Ungleichheit an der Spitze. Du gehörst also zum Beispiel zu den 1 Prozent der reichsten Menschen der Welt, aber der Abstand zur Spitze ist immer noch gigantisch. Ob du 50.000 netto oder 100.000 netto bekommst, macht im Ranking der Richlist kaum einen Unterschied (Top 0,02% zu Top 0,0008%).
  • Die Psychologie spielt dir einen Streich. Sobald du dich in der „Rich Zone“ bewegst, kommst du vermehrt in Kontakt mit Menschen, die viel reicher sind als du bist. Wenn du jemanden triffst, der das Doppelte, wenn nicht gar das Zehnfache deines Verdienstes hat, fällt es schwer, dich selbst als reich zu bezeichnen.

Die Macher der Seite, die Agentur Poke, schreibt: „Selbst in dieser Ära der Enthaltsamkeit sind wir immer noch so besessen von Reichtum (oder unserem scheinbaren Mangel daran). Aber obwohl wir vielleicht nicht alle Ölbarone oder Oligarchen sind, ist die große Mehrheit von uns besser dran, als wir glauben.“

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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