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Werbungskosten

Worauf es bei Werbungskosten zu achten gilt

von Stefan Heine

Die Steuererklärung hat bekanntlich viele Bestandteile – einer lautet „Werbungskosten“. Doch anders als der Name vermuten lässt, haben diese recht wenig mit Werbung zu tun. Was genau dahinter steckt und worauf du bei deiner Angabe achten solltest, erklärt dir ZASTER.

Werbungskosten haben nichts mit Werbung zutun

Werbungskosten sind verallgemeinert Ausgaben, die Arbeitnehmer:innen im Zusammenhang mit ihrem Job entstehen. Das Wort ist eine Verkürzung von Erwerbungskosten, was auch an den alten Begriff „Broterwerb“ denken lässt. Es sind also alle Ausgaben, die in einer Form oder einer anderen für den Broterwerb (deine Arbeit) nötig sind. Beispielsweise, wenn Fahrtkosten, Kosten für Arbeitsmittel oder Weiterbildungen, die einen direkt Bezug zum Job haben, anfallen. Manchmal gibt es Ausgaben, die sowohl beruflich als auch privater Natur sind, etwa bei einem dienstlich wie privat genutzten Smartphone. Bei diesen kann man zumindest den beruflichen Anteil der Kosten absetzen.

Beispiele für Werbungskosten

Neben den oben genannten Dingen, gibt es noch weitere Beispiele, die unter Werbungskosten zu verbuchen sind, unter anderem:

1. Arbeitsmittel: Klassische Beispiele sind der Laptop, Smartphone, Drucker oder auch Büromaterial. Je nach Berufszweig können auch andere Werkzeuge oder Ausstattung als Arbeitsmittel abgesetzt werden, die zwingend für die Ausführung des Jobs nötig sind – so kann ein Koch beispielsweise die zur Berufsausübung benötigten Küchenutensilien absetzen. Viele Finanzämter erkennen einen pauschalen Betrag von 110 € für Arbeitsmittel ohne Nachweise an.

2. Arbeitskleidung: Hiermit ist nur die „typische Berufskleidung“, etwa Uniformen oder Schutzkleidung, gemeint – aber keine, die man auch privat tragen würde. Wird die Arbeitskleidung als solche anerkannt, kannst Du nicht nur die Anschaffung als Werbungskosten angeben, sondern auch sonstige Aufwendungen zur Instandhaltung und Reinigung.

3. Werbungskosten im Zusammenhang mit dem Arbeitszimmer: Sofern es ein abtrennbarer Raum ist, der nur für die berufliche Tätigkeit genutzt wird, sind zum Beispiel die anteilige Miete samt Nebenkosten absetzbar.

4. Bewerbungskosten: Alle Kosten, die im Rahmen von Bewerbungen anfallen, sind steuerlich absetzbar. Darunter zählen beispielsweise Bewerbungsmappen (inklusive Bewerbungsfotos, Kopien, Porto etc.), Fachbücher, Internetgebühren für die Online-Stellensuche und Bewerbungen per E-Mail, Gebühren für Telefon- oder Videogespräche.

5. Umzug: Wird aufgrund deines Berufs (z. B. bei einem Jobwechsels) ein Umzug nötig, können die Kosten dafür als Werbungskosten abgesetzt werden. Voraussetzung ist ein Nachweis über die tatsächliche Notwendigkeit und Tatsache, dass sich die Fahrzeit zur Arbeitsstelle durch den Umzug um mindestens eine Stunde verkürzt.

6. Dienstreisen: Wenn vorübergehend außerhalb des Arbeitsortes oder der eigenen Wohnung gearbeitet wird, dann fällt auch das unter das Dach der Werbungskosten. Hierbei können die Reisekosten angegeben werden, wie: Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen, Übernachtungskosten für ein Hotel oder Reisenebenkosten.

7. Fahrtkosten: Pauschal werden 0,30 Euro pro Kilometer der einfachen Entfernung zum Arbeitsort als Werbungskosten anerkannt. Auch privat gezahlte Kosten für Fahrten zur Berufsschule, zu Lerngruppen, zu Fortbildungen oder zu Messen lassen sich als Fahrtkosten angeben

8. Erstellung der Steuererklärung: soweit etwaige Kosten entstehen, wie durch den Kauf von Software oder Ratgebern oder Ausgaben für Steuerberater, können auch diese als Werbungskosten (im darauffolgenden Steuer-Jahr) angegeben werden.

Was das für deine Steuererklärung bedeutet

Es ist wichtig, für alle Werbungskosten die entsprechenden Belege parat zu haben. Das gilt im Übrigen auch für Beträge, die man innerhalb einer Pauschale aufsummiert. Die Belege muss man zwar nicht ans Finanzamt senden, aber die Beamt:innen könnten im Nachgang die Dokumente zur Überprüfung anfordern. Auch gut zu wissen ist: Übernimmt die Firma etwaige Kosten, wie für eine Weiterbildung oder dienstliche Reise, dürfen die Kosten nicht von der Steuer abgesetzt werden.

Generell gibt es die Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 Euro. Diese erhält jede:r bei der Steuererklärung automatisch, ohne irgendetwas tun zu müssen. Es empfiehlt sich aber, alle Kosten erstmal zu erfassen – denn man liegt schneller über der 1.000 Euro-Grenze, als man vielleicht vorher denkt.

Eine Besonderheit gibt es für das Steuerjahr 2020: die Homeoffice-Pauschale. Für jeden Tag, den Du du von zu Hause arbeiten musstest, gibt es 5 Euro – maximal 600 Euro – für das Jahr. Die Homeoffice-Pauschale wird aber nur alternativ zum Arbeitszimmer angesetzt. Wenn die (hohen) Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer nicht erfüllt sind, kann also die Homeoffice-Pauschale abgezogen werden.

Allerdings gibt es die Werbungskosten nicht einfach bar zurück. Heißt: Wenn du beispielsweise 1.500 Euro angibst, werden dir keine 1.500 Euro ausgezahlt – sondern dein zu versteuerndes Einkommen wird um diesen Betrag gemindert. Die Werbungskosten werden also hiervon abgezogen. Damit sinken dann auch die Steuern, sodass – je nach Höhe des Einkommens – teils ein paar hundert Euro weniger an Steuern zu zahlen sind. Es lohnt sich also immer, genau hinzusehen und auch kleine Beträge entsprechend anzugeben.

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Stefan Heine
Stefan Heine
Stefan Heine ist Steuer-Experte bei smartsteuer. Als gelernter Fachanwalt für Steuerrecht will er Menschen die Angst vor dem Thema Steuern nehmen. Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen digitalisiert er dazu den analogsten Prozess Deutschlands – die Steuererklärung.

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