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Immer höhere Staatsverschuldung

Staatsschulden: Und wer muss dafür blechen?

von Nils Matthiesen

Hier ein paar Milliarden, dort ein paar Hundert Millionen: Um die Folgen der Krise abzufedern, nimmt der Staat gewaltige Schulden auf. Vor allem junge Menschen werden dafür die Zeche zahlen müssen.

Noch vor ein paar Monaten plante unser Finanzminister Olaf Scholz (SPD) eine schwarze Null für den Bundeshaushalt ein. Bedeutet: Der Staat wollte 2020 keine neuen Schulden aufnehmen. Dann kam Corona. Um die Folgen der Coronakrise abzufedern, plant der Bund massive Hilfen und muss dadurch plötzlich neue Schulden aufnehmen. Finanzminister Olaf Scholz plant mit einem zweiten Nachtragshaushalt in Höhe von 62,5 Milliarden Euro, wie am Montag aus dem Finanzministerium verlautete. Damit steigt die geplante Neuverschuldung für das laufende Jahr auf unglaubliche 218,5 Milliarden Euro. Der gewaltige Schuldenberg, der derzeit aufgetürmt wird, scheint aber kaum jemanden zu interessieren. Offenbar sind die meisten Deutschen vor allem mit sich selbst beschäftigt und damit, wie sie es selbst am besten durch die Krise schaffen. Wer denkt in so einer Situation schon darüber nach, was es bedeutet, dass der Staat allein in diesem Jahr Kredite in Höhe von mehr als 200 Milliarden Euro aufnehmen will?

Staatsschulden: Wer zahlt die Zeche?

Fest steht: Die Coronakrise wird richtig teuer. Dabei wird der finanzielle Kraftakt große Opfer fordern. Nicht jetzt, aber irgendwann in der Zukunft. Irgendwer muss die Zeche letztendlich zahlen und das ist am Ende immer der Steuerzahler. Aber wen wird es am härtesten treffen? Vielfach wird die Befürchtung geäußert, dass es vor allem die junge Generation trifft. Ob sie die Schulden zurückzahlen muss? Fraglich. Allerdings wird mit jeder Kreditaufnahme nicht nur die Verpflichtung zur Tilgung eingegangen, sie bringt auch Zinsverpflichtungen mit sich. Und die werden in der Regel immer höher.

Düstere Aussichten für die Jugend

Angesichts der vorgesehenen Neuverschuldung in Deutschland und der geplanten Schulden auf EU-Ebene warnt der Wirtschaftsverband „Die Jungen Unternehmer“ vor den Folgen für die eigene wirtschaftliche Situation. „Steuerausfälle, Schuldenberge und unsichere Zukunftschancen verdüstern die Aussichten für die junge Generation auf Jahre“, meint Sarna Röser, Bundesvorsitzende des Verbands. „Der tiefe wirtschaftliche Einschnitt fordert uns Junge heraus, die Corona-Scherben wieder aufzusammeln.“ Vieles, was schon länger auf den Wunschzetteln der Parteien stand, habe unter dem Deckmantel der Pandemie seinen Weg in das komplett schuldenfinanzierte Konjunkturpaket gefunden. Und vieles davon sei teuer und gehe zu Lasten der jungen Generation. Hinzu komme die Schuldenlast des EU-Paketes. Die Bundesregierung agiere als hätte sie einen Goldesel. Ihre Geldquelle scheint nicht zu versiegen; für jeden und alles ist Geld da. „Ohne eine klare Aussage, wann die Schuldenbremse wiedereingesetzt wird, bedeutet das für die junge Generation, dass sie vor die Wand gefahren wird. Eher Rumms statt Wumms, um mit den Worten von Bundesfinanzminister Scholz zu sprechen“, so Röser.

Investieren statt konsumieren

Dabei gilt es zu differenzieren: Wenn die zusätzlichen Mittel allein für den Konsum draufgehen, ist das Geld verloren und die junge Generation tatsächlich um 156 Milliarden ärmer. Fließen die Mittel dagegen in öffentliche Investitionen, wie schnelleres Internet, moderne Schulen oder Forschungseinrichtungen (wonach es aber derzeit nicht aussieht), nur dann würden die kommenden Generationen davon profitieren. Für diesen Fall, dass sich sich die Investitionen rentieren, könnte die junge Generation sogar besser dastehen als ohne Verschuldung.

Fazit

Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht. Nur eins steht fest: Die Corona-Pandemie stellt wahrscheinlich die größte Herausforderung in der deutschen Nachkriegsgeschichte dar. Die Folgen werden wir noch lange spüren – vor allem die jüngere Generation.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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