The Leihen King
Mein Onkel ist ein interessanter Mensch. Und der Mann mit der dichtesten Brustbehaarung, den ich kenne. Als ich ein kleines Mädchen war und er uns mit meiner Tante im Urlaub besucht hat, kam er mir immer vor wie ein Bär – behaart und stark. Unerschütterlich. Er sah ein bisschen aus wie Adriano Celentano, obschon ich damals gar nicht wusste, wer Adriano Celentano überhaupt war. Ich erinnere mich außerdem, wie dieser starke Adriano Celentano aus dem Sauerland Angst hatte, nach der ersten Plattform auf dem Pariser Eiffelturm weiter mit mir nach oben zu fahren. Ganz nach oben. Höhenangst.
Der Adriano Celentano unserer Familie ist wohl so was wie ein „Selfmade Man“. Hat sich einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet. Er hat als Krankenpfleger begonnen. Eigentlich kein Job, bei dem man leicht zu Reichtum kommt. Was übrigens sehr schade und vor allem sehr falsch ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Später eröffnete er einen privaten Pflegedienst, noch später eine Klinik. Heute betreibt er auch Alters-Residenzen mit medizinischer Versorgung. Es geht ihm und meiner Tante finanziell gut. Wie er sein Geld anlegt und wie viel das wirklich ist – keine Ahnung. Er hat keine Kinder, also gibt es auch niemanden, der mir vorrechnet, wie viel er dann mal eines Tages erben wird. Ein offensichtlich sehr beliebter Zeitvertreib meiner Generation