© Moskovitz
Können oder Zufall

Ist Karriere reine Glückssache?

von Nils Matthiesen

Unser Leben wird oft von Zufällen bestimmt, das gilt auch fürs Berufsleben. Allein auf Glück solltest du dich aber nicht verlassen.

Karriereratgeber konzentrieren sich im Allgemeinen darauf, Ratschläge zu erteilen: Wie Du dich fortbilden solltest, deinen Job erfolgreich bewältigst oder eine neue Stelle findest. Alles gut und wertvoll. Es gibt es aber einen Faktor, der oftmals wichtiger als gute Zeugnisse und ein perfekter Lebenslauf ist. Glück!

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

So kannst du beispielsweise das perfekte Vorstellungsgespräch führen und über beste Qualifikationen für den Job verfügen, aber die Stelle trotzdem nicht bekommen. Warum? Möglicherweise hat der oder die Personalverantwortliche gerade Stress zu Hause. Das Kind ist krank und muss von der Schule abgeholt werden, gleichzeitig gab es Streit mit dem Partner. Dann ist auch noch die Kaffeemaschine im Büro defekt. Sprich: Der Mensch ist besorgt, genervt, müde und will schnell nach Hause. Schlechte Karten für dich. Womöglich denkst du sogar, dass du es verbockt hast.

Wenn du den gleichen Termin einen Tag später hättest, könnte alles ganz anders laufen. Dein Gesprächspartner ist bester Dinge, schließlich hat sich Krankheit des Kindes als ein kleiner Schnupfen entpuppt, der Partner hat sich am Vorabend mit einem romantischen Dinner entschuldigt und eine neue Kaffeemaschine sorgt für einen besseren Cappuccino als je zuvor. Das Gespräch läuft hervorragend und die Chancen auf das Ergattern der Stelle sind bestens. Anstatt also niedergeschlagen und mit einem schlechten Selbstwertgefühl zu gehen, hättest du vielleicht ein großartiges Jobangebot in der Tasche. Das Glück oder Unglück, das Einstellungsgespräch zur falschen oder richtigen Zeit geführt zu haben, ist schicksalhaft und kann Auswirkungen auf deine ganze Karriere haben.

Anderes Beispiel: Als Mark Zuckerberg Facebook gründetet, schloss sich sein Zimmergenosse Dustin Moskovitz dem Projekt an. Heute ist Moskovitz 11 Milliarden Dollar reicher, nachdem er 2008 seine Facebook-Anteile vergoldete. Pures Glück machte ihn zum Milliardär, er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Glück oder Können?

Donald Trump könnte man ebenfalls viel Glück attestieren. In den frühen 1970er Jahren übernahm Donald das Immobiliengeschäft seines Vaters Fred. Dabei setzte er auf einige gewagte Deals in Manhattan. Dazu muss man wissen: Damals war New York schmutzig, kriminell und stand am Rande des Bankrotts. Das Blatt hat sich seitdem grundlegend gewendet, Donald Trump wurde zum Milliardär und gilt seitdem als erfolgreicher Immobilientycoon. Manch einer behauptet, es wäre dagegen pures Glück gewesen: Auf der einer Seite der Reichtum seines Vaters, auf der anderen Seite der unerwartete Aufschwung in New York. Sein früher Erfolg öffnete ihm auf jeden Fall viele weitere Türen. Er kam einfach an Kredite und konnte so weitere Projekte finanzieren. Sein Ruhm als Unternehmer führte ihn dann ins Fernsehen und letztendlich zur Präsidentschaft.

Pech gehabt

Manchmal ist man aber auch zur falschen Zeit am falschen Ort. Hast du schon einmal etwas von Ron Wayne gehört? Wahrscheinlich nicht. Wayne gründete zusammen mit Steve Jobs und Steve Wozniak Apple und bekam 10 Prozent der Unternehmensanteile. Die Arbeit gefiel ihm aber nicht und er verkaufte seine gesamte Apple-Beteiligung für lumpige 800 Dollar. Hätte er seine Beteiligung länger gehalten, wäre er jetzt einer der reichsten Menschen des Planeten. Aktuell wären seine Apple-Aktien rund 200 Milliarden Dollar wert gewesen. Wayne war zwar mit den richtigen Leuten zur richtigen Zeit am richtigen Ort, traf aber eine schlechte Entscheidung.

Fazit

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ist zweifellos wichtig. Richtig ist aber auch: Nur durch Fleiß und harte Arbeit kannst du solche Glücksmomente beim Schopfe packen und davon profitieren. Auf Glück allein solltest du dich also nicht verlassen.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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