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GENERATION Z

Ist der Generation Z Geld tatsächlich unwichtiger als ihren Eltern?

von Pauline Brinkmann

Die Generation Z ist eine Generation welche das Wort „Life“, in „Work-Life-Balance“ besonders großschreibt. Wir Zler wollen uns nicht überarbeiten. Ein cooler Job darf es sein, aber genug Zeit für das „Social life“, sprich Freunde und Familie, soll trotzdem noch bleiben.

Diese Einstellung suggeriert eine allgemeine Bescheidenheit à la „Wir verzichten auf eine krasse Karriere in der kapitalistischen Welt da draußen und ziehen stattdessen Yoga oder Gärtnern mit unseren Freunden vor“. Doch nun zur allesentscheidenden Frage: Sind wir bereit, dafür auch auf das große Geld zu verzichten? Oder erwarten wir eine neue Mentalität, nach dem Motto: mehr Freizeit, gleicher Verdienst?

Um dieser Frage angemessen auf den Grund zu gehen, habe ich mich mit diversen Zlern unterhalten und bin zu folgendem Gesamteindruck gelangt: "Geld ist uns weniger wichtig, aber wir unterschätzen dessen Relevanz für unser „daily life“."

Wir sind eine Generation, die in einer sehr privilegierten Zeit aufgewachsen ist. Kriegserfahrungen und damit verbundene Existenzängste kennen wir nicht wie unsere Eltern, aus dem davon geprägten Erziehungsstil unserer Großeltern, sondern maximal aus ihren Erzählungen und im besten Fall nur aus den Geschichtsbüchern. Ebenso wenig haben wir in Folge heftiger Finanzkrisen große Summen an Geld verloren.

Was damit gemeint ist: Bei uns war immer von allem alles da. Wenn man in den Supermarkt spaziert, gibt es zu jeder Tages- und häufig auch Nachtzeit frische Lebensmittel, wenn es ganz schlecht läuft, hat man statt wie sonst zwischen zwanzig Frischkäsesorten, nur die Auswahl zwischen zehn.

Und hier liegt meines Erachtens der Grund dafür, warum wir sagen Geld sei uns nicht so wichtig: Wir waren nie in Situationen, in denen wir uns existenzielle Sorgen machen mussten. Und das Streben nach Geld hat nun einmal meist einen psychosozialen Ursprung, denn monetärer Wohlstand suggeriert Sicherheit und Lebensqualität. Diese beiden Privilegien genießt meine Generation sowieso schon, ob nun mit oder ohne Zaster.

Gleichzeitig sind wir eine Generation, welche sehr nach Unabhängigkeit strebt, mag heißen: Wir möchten die Freiheit haben unser Leben nachhaltig zu gestalten, möchten uns aussuchen in welchem Stadtteil wir wohnen und lieber Kaufen statt Mieten.

An diesem Punkt vergessen wir jedoch, dass der Schlüssel zur ultimativen Unabhängigkeit häufig Geld ist und da liegt das Problem mit unserer Einschätzung zur Relevanz der bunten Banknoten.

Wir haben kürzlich eine Pandemie erlebt, welche sämtliche bisher als beständig geltenden Verhältnisse ins Wanken gebracht hat. Uns wurde vor Augen geführt, dass es wieder mehr an regionalen Investitionen und Innovationen bedarf und dafür braucht man…wer hätte es geahnt: Geld. Denn für jeglichen Fortschritt, egal ob neuen Technologien im Bereich Klimaschutz oder medizinischen Entwicklungen, bedarf es einer finanzstarken Wirtschaft, die in der Zukunft von ambitionierten Z-lern weiter ausgebaut werden müsste.

Der Forscher Christopher Boyce und sein Team von der britischen University of Warwick befragten im Rahmen einer Studie 12 000 Menschen, um herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen den Gehältern der Befragten und ihrer Lebenszufriedenheit gibt. Heraus kam: Nicht die Höhe des Gehalts war maßgeblich für das Wohlergehen, sondern der Rang im Gehältervergleich allgemein. Sprich: Hauptsache mehr als die anderen! Und weil fast alle Zler der Lebensqualität mehr Bedeutung zuschreiben als dem Gehalt, stellt sich die Frage, ob wir uns alle gemeinsam auf ein wirtschaftliches Rekordtief bewegen? Diese mögliche Problematik sollte man gerade vor dem Hintergrund einer sich immer weiter globalisierenden Welt im Hinterkopf haben.

Es ist wichtig und richtig, dass es der Generation Z nicht lediglich darum geht, fünf Sportwagen gleichzeitig zu fahren und einen Berg von Klamotten zu besitzen. Aber wir sollten nicht vergessen, warum wir dort sind, wo wir sind und, dass wirtschaftliche Prosperität nicht aus dem Wasserhahn fließt. Schlussendlich sollten jedoch gerade die älteren Kritiker unseres „neuen Lebensweges“ nicht vergessen: Wir sind eine Generation die wahrscheinlich bis 75 arbeiten wird und da macht es durchaus Sinn sich einen Job mit Mehrwert, statt lediglich finanziellem Benefit zu suchen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: unsereiner spricht gerne von einem Leben in dem Geld keine Rolle spielt, Fakt ist aber: Geld kann nur solange keine Rolle spielen, solange genug von allem da ist.

ein Artikel von
Pauline Brinkmann
Pauline Brinkmann
Pauline ist 23 und studiert in Potsdam und Lausanne Rechtswissenschaften. Ihr besonderes Interesse gilt jedoch nicht Mietverträgen, sondern politischen und gesellschaftlichen Prozessen."

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