Ab in die Zukunft

Ab in die Zukunft

© TED
Die Logik des Geldes verstehen

Zehn brillante TED-Talks über die Finanzwelt

von Hannes Lustermann

Wer die Finanzwelt verändern will, braucht Inspiration – sei es von Tesla-Chef Elon Musk (46) oder Apple-Gründer Steve Jobs (†2011). Beide teilten ihre Visionen bereits bei der renommierten Innovations-Konferenz TED (Technology, Entertainment, Design), die erstmals 1990 in Monterey in den USA stattfand. Wir haben zehn Highlights zum Thema Finanzen aus insgesamt 2700 Beiträgen zusammengestellt.

Seit 30 Jahren sind die TED-Talks, maximal 18-minütige Präsentationen, das Herzstück der gleichnamigen Non-Profit-Organisation. Darin erläutern Experten ein fachspezifisches Kernthema, das die Menschen beschäftigt. Die TED-Talks haben sich im digitalen Zeitalter als eine der Hauptquellen für innovatives Denken durchgesetzt – erst in den USA, wo 2006 der große Durchbruch gelang, und inzwischen weltweit. Im Netz wurden sie bereits mehr als eine Milliarde Mal angesehen. Die TED-Talks werden ausschließlich auf Englisch gehalten.

Gut zu wissen: Es lassen sich jeweils problemlos Untertitel (unter „Subtitles“ unten rechts im Video) in allen Weltsprachen einblenden. Die automatischen Übersetzungen funktionieren meist sehr gut.

10. Wie sagt man eigentlich eine Finanzkrise voraus?

Der französische Professor Didier Sornette (60), der an der Technischen Hochschule (ETH) Zürich zu Unternehmensrisiken forscht, beansprucht für sich, unter anderem den Crash des US-Immobilienmarkts 2007 und die anschließende weltweite Finanzkrise vorhergesagt zu haben. Dafür beobachtet er die Wachstumsraten der einzelnen Märkte. Sobald diese im Verhältnis zur globalen Entwicklung schnell zunehmen, kann er entsprechend ihrer Steigerung bestimmen, in welchem Zeitraum die Spekulationsblase platzt.

Zur Person: Neben seiner Professur leitet Sornette das Forschungszentrum für Finanzkrisen "Financial Crisis Observatory" der ETH.

Was er sonst macht: Sornette hat sein Leben komplett dem Risiko verschrieben, wie das Wall Street Journal 2010 schrieb.

9. Welchen Einfluss haben Krypto-Währungen auf Bargeld, Kreditkarte und Co.?

Für viele Menschen wirken Kryptowährungen surreal. Denn wer besitzt schon welche? Die Währungsforscherin Neha Narula (36) von der Technischen Hochschule in Massachusetts (USA), zeigt, was ihr rasantes Vorankommen für die globalen Finanzmärkte bedeutet. Für den Endnutzer klingt das verlockend: Wir sollen dann in der Lage sein, weltweit vollkommen bargeldlos sicher zu bezahlen, ohne dafür eine Erlaubnis seitens der Banken zu brauchen.

Zur Person: Narula ist Leiterin das Forschungsteams für Digitalwährungen (Digital Currency Initiative) am MIT.

Was sie sonst macht: Vor ihrem Wechsel ans MIT war sie siebeneinhalb Jahre Software-Entwicklerin bei Google.

8. Kann man sich glücklich kaufen?

Der amerikanische Sozialforscher Michael Norton (42) zeigt uns auf, wie wir uns fühlen, wenn wir Geld ausgeben. Schließlich denken wir nur allzu oft darüber nach: Wieviel wir brauchen, wie wir es bekommen und was wir damit anfangen. Der Knackpunkt besteht für ihn darin, es nicht für unser eigenes Wohl zu tun. Er gibt uns dafür eine Vielzahl an Beispielen, zu denen wir schwerlich Nein sagen können.

Zur Person: Norton ist Professor für Wirtschaft an der Harvard Business School, USA.

Was er sonst macht: Er war 2016 Co-Autor bei einer Studie über wütende Fluggäste.

7. Brauchen wir für unser Geld bald nicht mehr zu arbeiten?

Selbstfahrende Autos, Drohnen, Staubsauger-Roboter. Zukunftsvisionen wie die aus Steven Spielbergs Science-Fiction-Filmen sind inzwischen längst Realität. Laut dem amerikanischen Bestseller-Autor Martin Ford verlieren wir durch den Fortschritt künstlicher Intelligenz sehr bald einen Großteil unserer Jobs. Wie sollen wir dem begegnen? Wenn es nach ihm geht, trennen wir das Einkommen vom Erwerb und werden weiterhin bezahlt, während die Maschinen alles erledigen.

Zur Person: Martin Ford ist Autor des Buchs „Rise of the Robots: Technology and the Threat of a Jobless Future".

Was er sonst macht: Auf biegen und brechen sein Alter geheim halten. Hinweise nehmen wir gerne entgegen.

6. Warum regnet es in Ostafrika sprichwörtlich Geld vom Himmel?

Die amerikanische Stanford-Absolventin und Entwicklungshelferin Joy Sun (36) fordert uns heraus: Wir sollen unser Spenderverhalten grundlegend überdenken, denn herkömmliche Wege führen bei den Empfängern zu Abhängigkeit und Unfreiheit. Deshalb geht die Hilfsorganisation GiveDirectly neue Wege: Sie identifiziert per Luftbild bedürftige Haushalte und lässt Ihnen Mobiltelefone zukommen. Auf diese wird dann ein Guthaben von 500 Dollar überwiesen, das sich die Empfänger in Wechselstuben auszahlen lassen können. Danach können sie selbst entscheiden, wie sie die anonyme Spende einsetzen. Ein Appell, so provokant wie bewegend.

Zur Person: Sun ist ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Wohltätigkeitsorganisation GiveDirectly.

Was sie sonst macht: den Sprung von der Unternehmensberatung McKinsey in die Entwicklungsarbeit wagen.

5. Wie wurde Kenia zum Zugpferd für Afrikas Wirtschaft?

Das Brutto-Inlands-Produkt hat sich in Kenia in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das Pro-Kopf-Einkommen ist ebenfalls auf das Anderthalbfache gestiegen. Die kenianische Krebsforscherin Charity Wayua (33) sieht den Hauptgrund für den Aufschwung in der Reformbereitschaft des Landes. Durch eine Vielzahl von Maßnahmen in Bildung und Änderungen im Wirtschaftsrecht wurde ein unternehmerfreundliches Klima geschaffen. Die Korruption bleibt dabei ihr größter Widersacher.

Zur Person: Wayua ist Forschungs-Manager beim Computer-Riesen IBM, in der Abteilung "Research Africa".

Was sie sonst macht: Hat einen Doktor in Chemie über Krebszellenforschung geschrieben.

4. Knapp 500 Milliarden Euro jährlich – wohin gehen die Heimatüberweisungen?

Rund 250 Millionen Einwanderer gibt es derzeit weltweit, die sich eine neue Heimat gesucht haben. Ihr ökonomischer Fußabdruck ist entsprechend groß: Mehr als 600 Milliarden Dollar (488 Milliarden Euro) senden sie jährlich an Familie und Freunde in der Heimat. Der indische Ökonom Dilip Ratha (55) verdeutlicht, wie wichtig dieses Geld für die Wirtschaft vieler Entwicklungsländer ist. Doch es gibt zwei große Probleme: hohe Gebühren und die Sicherheit der Transfers.

Zur Person: Ratha leitet das Team für Migration & Überweisungen“ bei der Weltbank.

Was er sonst macht: Das Engagement seiner Tochter gegen Waffengewalt in den USA unterstützen.

3. Sollen Gehälter transparent sein?

Deutlich mehr? Ungefähr gleich viel? Wer in Ihrer Firma wieviel verdient, darüber können Sie in der Regel nur spekulieren. Der amerikanische Management-Forscher David Burkus (34) führt die Gründe auf, warum wir es eben doch wissen sollten. Etwa, um die Ungleichheiten in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen aufzudecken. Denn wer würde nicht gerne erfahren, ob er selbst oder Angehörige beim Gehalt diskriminiert werden, argumentiert Burkus.

Zur Person: Burkus ist Professor für Management an der Oral Roberts University, USA.

Was er sonst macht: Mehr als 18.000 Tweets in weniger als zehn Jahren twittern (seit 16. Dezember 2008).

2. Was genau macht Startups erfolgreich?

Der amerikanische Tech-Investor Bill Gross (59) klärt auf, wie aus Neugründungen Millionen-Unternehmen werden. Bill Gross hat dafür Hunderte Unternehmensgründungen anhand von fünf Faktoren bewertet: Ideen, Team, Geschäftsmodell, Förderung und Timing. Dabei hat Letzterer bedeutend mehr Anteil an den Erfolgsaussichten, wie er am Beispiel von Youtube zeigt. Definitiv empfehlenswert für jeden, der mit dem Gedanken spielt, einmal etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Zur Person: Gross leitet das amerikanische Gründungszentrum Idealab, nicht zu verwechseln mit der deutschen von Studenten initiierten Gründerkonferenz Idealab!

Was er sonst macht: Seine 150 Firmenbeteiligungen einmal kräftig durchschütteln und neu zusammenwürfeln.

1. Verdirbt Geld wirklich den Charakter?

Ganz so einseitig ist es nicht. Der amerikanische Verhaltensforscher Paul Piff (36) kommt zu der überraschenden Erkenntnis, dass finanzieller Wohlstand in manchen Bereichen jedoch durchaus gemeiner macht. So zeigt seine Studie etwa, dass Fahrer von teuren Autos öfters die Regeln brechen. Das Eigeninteresse wird von Ihnen häufiger über das Anderer gestellt, lautet seine These – nur das er Donald Trump nicht als Beispiel bringt. Doch wer viel besitze, spende auch viel.

Zur Person: Piff ist Assistenz-Professor für Psychologie an der Universität von Kalifornien, USA.

Was er sonst macht: Heimlich Giraffen küssen, zu sehen auf seiner Webseite.

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