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Wenn dich bei der Stromrechnung der Schlag trifft

Warum du so viel für Strom bezahlen musst

von Nils Matthiesen

Deutsche Verbraucher müssen EU-weit mit am meisten für Strom auf den Tisch legen. Warum das so ist, hat ZASTER analysiert.

Wie entwickeln sich derzeit die Strompreise?

Es geht weiter nach oben. Strom kostet jetzt im Schnitt zwischen 29 und 30 Cent pro Kilowattstunde. Im Jahr 2000 waren es noch rund 14 Cent – das entspricht einem Anstieg von über 100 Prozent. Experten erwarten, dass die durchschnittlichen Haushaltsstrompreise in diesem Jahr nochmals steigen – auf knapp 31 Cent pro Kilowattstunde. Und so könnte es weitergehen. Pessimisten rechnen sogar damit, dass die Preise bis 2025 um bis zu 70 Prozent anziehen.

Wie liegt Deutschland im Vergleich?

Wir liegen europaweit auf Rang zwei, zahlen also vergleichsweise viel. Nicht nur in Deutschland haben Verbraucher aber mit hohen Strompreisen zu kämpfen. In vielen Ländern Europas sind die Kosten für Energie in den letzten zehn Jahren gestiegen. Die Unterschiede zwischen den EU Ländern sind dabei gigantisch und reichen von 10 Cent pro kWh in Bulgarien bis 31 Cent in Dänemark. Zudem zahlen Stromkunden in Deutschland ungefähr doppelt so viel wie ihre Nachbarn in Tschechien (15,8 Cent) und in Polen (13,9 Cent). Doch auch der Strom in den Niederlanden (17,1 Cent) und Frankreich (17,9 Cent) ist im Vergleich viel günstiger.

Warum ist Strom in Deutschland so teuer?

Die eigentlichen Strompreise (Beschaffung & Vertrieb) sind in den letzten Jahren sogar gefallen. Zum Beispiel von 8,52 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2009 auf 6,20 Cent im Jahr 2018. Ein Blick auf die Großhandelsstrompreise zeigt zudem, dass Deutschland sogar die zweitniedrigsten Börsenstrompreise in Europa aufweist. Des Rätsels Lösung: Es sind die Steuern, Abgaben und Umlagen, die kontinuierlich steigen. Du kennst das von der Tankstelle: Mehr als 50 Prozent des Spritpreises resultiert aus Steuern, Abgaben und Umlagen.

Werden die Strompreise weiter steigen?

Das ist aufgrund verschiedener Faktoren wahrscheinlich.

  • Bisher trieben vor allem Netzentgelte, Steuern und Abgaben den Preis für Endkunden in die Höhe. Aber jetzt befinden sich auch die Einkaufspreise für Versorger auf einem Rekordhoch. Grund dafür sind vor allem die gestiegenen Kosten für CO2-Zertifikate. Prinzipiell funktioniert der Handel so: Die EU legt eine Obergrenze dafür fest, wie viel Kohlendioxid (CO2) innerhalb ihrer Grenzen jedes Jahr emittiert werden darf. Für jede Tonne CO2, die sie verursachen, müssen Kraftwerksbetreiber ein Verschmutzungsrecht oder Zertifikat an der Börse ersteigern. Wenn ein Unternehmen mehr CO2 verursacht, als es Zertifikate besitzt, muss es Emissionsrechte dazukaufen. Umgekehrt gibt es Unternehmen, die weniger CO2 ausstoßen. Sie haben somit Zertifikate übrig und können sie verkaufen. Ein Zertifikat entspricht dabei einer Tonne CO2. Damit haben CO2-Emissionen einen Preis, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.
  • Neben den gestiegenen Strombeschaffungskosten legen auch die Netzentgelte zu. Bei den Netzentgelten führen insbesondere höhere Ausgaben für den Netzausbau und für die Betriebsmittel zur Integration der erneuerbaren Stromerzeugung seit zehn Jahren zu kontinuierlichen, leichten Kostensteigerungen. Die Ökostrom-Umlage dürfte Experten zufolge die Strompreise im kommenden Jahr zusätzlich leicht steigen lassen. Die Denkfabrik Agora rechnet mit einem Wert zwischen 6,5 und 6,7 Cent pro Kilowattstunde - in diesem Jahr liegt die sogenannte EEG-Umlage bei 6,41 Cent.

Was das für die Preise genau bedeutet, hängt vorrangig davon ab, ob und wie die Stromanbieter die Teuerung weitergeben. Agora rechnet fürs kommende Jahr mit einem Cent mehr pro Kilowattstunde. Für einen Vier-Personen-Haushalt, der etwa 4.000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, wären das 40 Euro mehr auf der Stromrechnung.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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