Der unterschätzte Profiteur des KI-Trends: Warum Gesundheitsaktien jetzt wieder interessant werden?
Politische Unsicherheit verliert an Bedeutung
Die politischen Risiken dürften im Zuge der anstehenden Midterm-Wahlen besser einschätzbar werden, auch wenn sie nicht verschwinden werden. Viele Belastungsfaktoren erscheinen inzwischen in den Bewertungen berücksichtigt. Dadurch sollten Unternehmensqualität, Innovationskraft und Bewertung im zweiten Halbjahr wieder stärker in den Fokus rücken. Dort liegen die eigentlichen Stärken des Gesundheitssektors. Damit stehen Gesundheitsaktien vor einer interessanten neuen Phase.
Healthcare profitiert vom KI-Boom – nur anders als Tech
Der KI-Boom wird an der Börse vor allem mit großen Technologieunternehmen verbunden. Doch auch der Gesundheitssektor kann davon erheblich profitieren. In der Medikamentenentwicklung helfen datenbasierte Verfahren dabei, Wirkstoffkandidaten schneller zu identifizieren und klinische Studien effizienter zu planen. Unternehmen wie IQVIA oder Veeva Systems stehen beispielhaft für digitale Infrastruktur, Datenmanagement und Software im Gesundheitswesen.
Auch in Diagnostik, Forschung und Versorgung entstehen neue Anwendungen. Healthcare ist damit langfristig kein Verlierer des KI-Trends, sondern einer seiner wichtigsten Anwendungsbereiche – mit medizinischer Substanz, dauerhaftem Bedarf und häufig moderateren Bewertungen.
Gerade das macht den Sektor interessant: Während viele Technologiewerte bereits kräftig von der KI-Euphorie profitiert haben, blieb Healthcare bei den Bewertungen vergleichsweise zurück. Wer sein Depot breiter aufstellen möchte, findet hier deshalb einen spannenden Kontrast zum klassischen KI-Investment.
Welche Bereiche derzeit besonders interessant sind
Gesundheit ist kein homogener Markt. Pharma, Biotechnologie sowie ausgewählte Medizintechnik- und Gesundheitsdienstleister bleiben auch in diesem Jahr besonders relevant. Unternehmen wie Novo Nordisk, AbbVie, Eli Lilly oder Vertex Pharmaceuticals, aber auch viele kleine und mittelgroße Unternehmen stehen für starke Forschung und klare Wachstumstreiber.
In der Biotechnologie zeigen Beispiele wie Genmab, Ascendis Pharma, Insmed oder Structure Therapeutics, wie breit die Innovationslandschaft geworden ist. Spezialisierte Gesundheitsunternehmen wie Lonza, CSL oder Fresenius stehen beispielhaft dafür, wie vielfältig der Gesundheitssektor ist – von biopharmazeutischer Produktion über komplexe Therapien bis hin zu klinischer Infrastruktur und Versorgung.
Anders ist die Lage aktuell bei Managed Care und Krankenhäusern. Unternehmen wie Elevance Health zeigen zwar, dass auch dort positive Entwicklungen möglich sind. Zugleich bleiben sie stärker von politischen und regulatorischen Eingriffen in den USA abhängig.
Fazit
Gesundheitsaktien wachsen langfristig vor allem durch Innovationen, den demografischen Wandel und den konstant steigenden Bedarf an medizinischer Versorgung. Die Politik kann diese Entwicklung zeitweise überlagern. Doch wenn politische Risiken berechenbarer werden, dürfte der Markt wieder stärker zwischen kurzfristigem Lärm und langfristigem Wert unterscheiden.
Für Anleger bedeutet das: Wer nach Alternativen zu hoch bewerteten KI-Aktien sucht, sollte den Gesundheitssektor nicht übersehen. Healthcare verbindet technologisches Potenzial mit einer vergleichsweise stabilen Nachfrage – und könnte gerade deshalb in der zweiten Jahreshälfte wieder stärker in den Fokus rücken.
Autor: Kai Brüning, Senior-Portfoliomanager Healthcare bei der Apo Asset Management GmbH (apoAsset).
Dies ist keine Anlageberatung. Bitte informiert euch vor einer Geldanlage über die Risiken und beachtet unsere Hinweise hier.