Auswandern: Was kostet das Leben in Irland?

Warum bist Du nach Irland gegangen und was hält Dich dort?

Wir waren vorher ein paar Mal hier im Urlaub. Uns hat vor allem die vielfältige Natur mit den endlosen grünen Wiesen, den weißen Traumstränden mit Palmen, die tollen Kleinstädte und die superfreundlichen Einheimischen in den Bann gezogen. In Irland hast du einfach nicht das Gefühl, dass jeder im Hamsterrad rennt.

Die Leute sind offen, entspannt, nehmen sich Zeit. Dazu kam ganz pragmatisch: Auf dem Land bekommst du hier Häuser, für die du im Raum Berlin (wo wir vorher gelebt haben) nichts Vergleichbares findest. Es gibt hier auf der Insel generell mehr Platz, mehr Ruhe, weniger Verkehr und mehr Möglichkeiten, dein eigenes Ding zu machen. Was für uns perfekt passt: Ich arbeite remote und bin deshalb noch ab und zu in Deutschland. Von Irland bist du in zwei Stunden dort. Das macht das Ganze extrem praktikabel.

Was können die Deutschen von den Iren lernen? Und möglicherweise andersherum?

Die Deutschen können von den Iren lernen, das Leben nicht immer so verbissen zu sehen. In Deutschland wird vieles sofort bewertet, optimiert, perfektioniert. In Irland wird erstmal gemacht und dann schaut man weiter. Andersherum könnten die Iren sich von den Deutschen manchmal eine Scheibe Struktur abschneiden und dürften auch gerne etwas anspruchsvoller sein.Ich sag’s mal so: Die perfekte Mischung wäre deutsche Verlässlichkeit mit irischer Gelassenheit.

Welche 3 Tipps würdest du einem Deutschen geben, der auch nach Irland auswandern will?

Unbedingt das Land vorher bereisen und die einzelnen Regionen entdecken – es gibt große Unterschiede, vor allem zwischen der Ost- und Westküste. Offen sein für die Kultur und die Traditionen – die hier noch gelebt werden. Gerade auf dem Land ist es wichtig, Anschluss zu finden. Die Iren machen es einem aber sehr leicht. Und: Englisch sollte man auf jeden Fall sprechen können.

Wie teuer ist das Leben in Irland im Vergleich zu Deutschland?

Tatsächlich gibt es oft das Missverständnis, dass das Leben in Irland günstiger sei als in Deutschland – doch das Gegenteil ist der Fall. Mieten sind hier sehr teuer, vor allem in Dublin fast unbezahlbar. Dafür sind Eigenheime auf dem Land günstiger und man hat die Chance, noch größere Grundstücke zu ergattern als in Deutschland. Generell zahlt man in Irland oft einen „Inselzuschlag“. Da viele Waren importiert werden müssen, sind Produkte des täglichen Bedarfs, aber vor allem Autos, Versicherungen und Alkohol spürbar teurer als in Deutschland. Und es ist zu beachten, dass die MwSt. in Irland inzwischen bei 23 % liegt.

Auf der anderen Seite gibt es Unterschiede bei den Dienstleistungen. Friseure, Autowerkstätten oder Handwerker können hier teilweise etwas günstiger sein als in deutschen Großstädten, was daran liegt, dass die Löhne in Irland niedriger sind.

Krankenversicherung, Steuern, Rentenversicherung? Wie wird das in Irland gehandhabt?

Irland hat ein Mischsystem im Gesundheitsbereich. Es gibt staatliche Leistungen, aber viele setzen auf private Zusatzversicherungen, um schneller behandelt zu werden. Steuern sind teilweise attraktiver als in Deutschland – vor allem für Selbstständige und Unternehmer. Bei der Rente gilt: Innerhalb der EU werden Ansprüche angerechnet. Die deutsche Rente ist also nicht weg und man zahlt hier auch weiterhin in das Rentensystem ein.

Welchen geheimen Spartipp hast Du für das Leben in Irland entdeckt?

Mach so viel wie möglich selbst. Ich habe zum Beispiel meinen Pick-up mit Hilfe eines Freundes selbst zum Camper umgebaut. Auch bei unserem Guesthouse haben wir einiges selbst oder gemeinsam mit befreundeten Handwerkern renoviert. Wer auf dem Land wohnt, gibt automatisch auch weniger Geld aus, weil es dort einfach nicht die Shoppingmöglichkeiten wie in Großstädten gibt.

Welches Produkt ist in Irland besonders teuer und welches Produkt sehr günstig?

Autos, egal ob neu oder gebraucht, sind in Irland teurer als in Deutschland und das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es hohe Steuern auf Fahrzeuge (VRT – Vehicle Registration Tax), die den Preis massiv nach oben treiben. Dazu kommen höhere Versicherungskosten, gerade für Einsteiger oder Neuankömmlinge. Und: Der Markt ist kleiner. Weniger Angebot bedeutet automatisch höhere Preise. Günstiger ist hier vor allem der Barber. Für einen Haarschnitt zahle ich nur 15 Euro.

Hast Du einen Tipp für die Jobsuche für Einwanderer in Irland?

Irland ist ein guter Markt für internationale Jobs, vor allem im Tech- oder Pharmabereich und bei internationalen Firmen. Viele Jobs sind allerdings in und um Dublin und dort ist es für viele schwierig, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Mein Tipp generell: Nicht nur Bewerbungen rausschicken, sondern aktiv Gespräche suchen. LinkedIn, Events, lokale Gruppen – gerade der persönliche Kontakt macht hier einen großen Unterschied. Und: Es ist deutlich einfacher, einen Job zu finden, wenn man schon im Land ist, als wenn man sich aus Deutschland heraus bewirbt.

Wie sieht dein neuer Alltag in Irland aus? Was hat sich hier am meisten zum alten Leben verändert?

Mein Alltag ist heute komplett anders als früher – ich habe das Büro-Hamsterrad verlassen. Ich spreche inzwischen seit bald sechs Jahren jede Woche mit Auswanderern in der ganzen Welt und mache mit EINFACH AUSSTEIGEN Deutschlands größten Auswanderer-Podcast. Wir betreiben außerdem im Südosten Irlands ein Guesthouse und begrüßen Gäste aus den unterschiedlichsten Ländern. Aktuell schreibe ich auch an einem Buch über unsere Auswanderung nach Irland, das im nächsten Jahr erscheinen wird. Am meisten hat sich verändert, dass ich inzwischen selbst bestimme, wie mein Tag aussieht: weniger fremdgesteuert, weniger Routine und deutlich mehr Freiheit.

Welche Rolle spielt Geld in der Gesellschaft in Irland? Was würdest Du sagen? 

Geld ist wichtig, aber es definiert dich hier nicht. Es interessiert die Menschen hier nicht, wie viel du hast. Es geht mehr um Familie, Gemeinschaft, Urlaubserlebnisse, Hobbys etc. In Deutschland habe ich oft das Gefühl, dass Status und Sicherheit eine große Rolle spielen. In Irland zählt mehr, wie du bist, nicht, was du hast. Und genau das macht für mich einen großen Unterschied im Lebensgefühl.