Asset Manager in Freiburg: Zwischen Bloomberg-Terminal und ETF-Baukasten

Eine weit verbreitete Vorstellung von der Finanzbranche sieht meistens so aus: Menschen in Anzügen, die den ganzen Tag auf blinkende Kurse starren und zwischendurch mit ernster Miene „Der Markt preist das schon ein“ sagen. Nach einigen Wochen kann ich bestätigen: Es gibt tatsächlich viele blinkende Kurse. Aber vor allem gibt es jede Menge Daten, Analysen und spannende Fragestellungen, die weit über das Klischee hinausgehen.

Mein persönliches Highlight war die Mitarbeit an der Entwicklung eines ETF-Konzepts. Klingt erstmal trocken – ist es aber nicht. Die Idee dahinter: Kann man einen ETF bauen, der den MSCI ACWI langfristig schlägt, indem man bestimmte Faktoren intelligent kombiniert? Genau daran habe ich gearbeitet. Mithilfe von Backtests wurden verschiedene Ansätze untersucht, bei denen Faktoren wie Momentum oder die Marktkapitalisierung unterschiedlich gewichtet wurden. Ziel war es dabei nicht nur, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, sondern gleichzeitig Risiken wie starke Kursschwankungen oder größere Drawdowns im Blick zu behalten.  Oder anders gesagt: Nicht nur schneller zu fahren, sondern dabei auch möglichst wenig durch die Kurven geschüttelt zu werden oder gar im Straßengraben zu landen.

Besonders spannend war dabei der Blick auf die langfristige Perspektive: Der ETF soll später nicht nur ein theoretisches Konstrukt bleiben, sondern tatsächlich investierbar sein. Darauf ihn irgendwann selbst im eigenen Depot zu sehen, freue ich mich bereits. Gerade vor dem Hintergrund, dass die gesetzliche Rente allein künftig voraussichtlich nicht ausreichen wird, wird private, kapitalmarktbasierte Vorsorge immer wichtiger. Und genau hier soll der ETF einen Beitrag leisten.

Dafür wurde viel gerechnet, getestet und wieder verworfen. Denn eine Strategie, die in der Theorie genial aussieht, muss sich auch in historischen Marktdaten und in allen Marktphasen bewähren. Gerade diese Kombination aus Statistik, Finanztheorie und praktischer Anwendung hat mir gezeigt, wie datengetrieben modernes Asset Management heute ist.

Neben der ETF-Entwicklung konnte ich regelmäßig Equity Research am Bloomberg-Terminal durchführen. Das berühmte Gerät wirkt auf den ersten Blick mit seinen vielen Befehlen zwar wie das Cockpit eines Raumschiffs, mit der Zeit lernt man aber schnell, wie sich Unternehmensdaten, Kennzahlen, Analysteneinschätzungen oder Nachrichten auswerten lassen. Die gewonnenen Informationen flossen unter anderem in die Unterstützung des Portfoliomanagements und des Handels ein, wo ich zusätzlich erste Erfahrungen mit dem System Opus Asset Manager Pro machen konnte.

Zwischendurch ging es dann auch mal weg von Zahlenkolonnen und hin zur Website. Über WordPress pflegte ich Inhalte wie Teamvorstellungen, Fondsupdates und Marktkommentare. Das hat mir gezeigt, dass Vermögensverwaltung nicht nur aus Investments besteht, sondern auch davon lebt, komplexe Themen verständlich und transparent zu kommunizieren. Gleichzeitig hat genau diese Mischung aus analytischer Arbeit und abwechslungsreichen Aufgaben dafür gesorgt, dass mir das Praktikum insgesamt so viel Spaß gemacht hat.

Und was nehme ich aus dem Praktikum mit?

  • Gute Investmententscheidungen entstehen selten aus dem Bauchgefühl, sondern aus sauberer Analyse und strukturiertem Denken.
  • Excel kann gleichzeitig bester Freund und härtester Gegner sein.

Aron Löffel