10 MINUTEN. 3 FRAGEN. 1 THEMA.

Aktien kennenlernen, Portfolio anlegen, Vermögen verteilen - Carola erzähl' mal!

von Alicia Peters

Heutzutage gibt es diverse Wege, Vermögen aufzubauen und es zu verteilen. Viele Möglichkeiten - viel Verwirrung. Gerade für Neuankömmlinge in der Finanzwelt stellen sich zu Beginn einige Fragen. Ein paar von ihnen konnte ZASTER-Autorin Alicia Peters in ihrem letzten Gespräch mit Finanzexpertin Carola Ferstl loswerden. Wenn auch ihr euch am Anfang eurer Geldreise befindet, lasst euch gesagt sein: So kompliziert ist es gar nicht - traut euch und legt los!

1. Wie bist du zum ersten Mal in Kontakt mit Aktien gekommen? Kannst du dich noch an deine erste Investition erinnern?

Tatsächlich hatte ich erstmal nicht so viel Kontakt mit Aktien, aber ich hatte schon als junges Mädchen über meine Familie Kontakt mit verschiedenen Geldanlageformen. Damals lohnte es sich ja auch, in Sparbriefe zu investieren, wo man ganz normal Zinsen bekommen hat. Das waren also damals meine Erfahrungen, wie man einfach aus Geld, das man spart, mehr machen kann. Heute gibt’s ja so gut wie keine Zinsen mehr. Deshalb muss man sich überlegen, wie man anders anlegt und da sind Aktien natürlich ganz vorne vor.

Meine ersten wirklichen Kontakte mit Aktien waren dann bei n-tv, als ich mich auch beruflich damit beschäftigt habe. Das war mit Anfang 20. Ich habe dann auch in diesem ersten Aktien-Boom, den wir in Deutschland hatten, mehrere Investitionen getätigt. Das war so vor dem „neuen Markt“, als alle Leute dann zum Beispiel über die Deutsche Telekom gesprochen haben… da habe ich mich auch intensiver mit Einzelaktien beschäftigt.

Es gab damals auch schon Fonds, ganz normale aktiv gemanagte Fonds. Die konnte man am besten jeweils bei seiner Bank kaufen. Das war der normale Weg, wie man an Fonds rangekommen ist. Da hätte dich also ein Sparkassenberater angesprochen und gesagt „Wir haben hier auch einen ganzen Korb an Aktien. Sie können auch einen Fonds kaufen.“ Aber so viele verschiedene Produkte, wie es sie heute gibt, gab es damals nicht. Man hätte einzelne Aktien kaufen können oder Fonds.

2. Wie stellt man ein sinnvolles Portfolio zusammen?

Meiner Meinung nach ist es so, dass es für den Privatanleger, der anfängt, keinen Sinn macht, in Einzelaktien zu investieren. Das Wichtige bei der Anlage ist tatsächlich, wenn alle immer so sagen „Ohje, das ist so gefährlich“, dass du eben nicht nur eine oder zwei Aktien kaufst. Was vielleicht auch ein Fehler ist – was viele tun – ist zu sagen „Ich kaufe nur die ganz großen Aktien, die ich kenne. Ich kenne doch Facebook und Apple und Amazon…“ So kauft man sich im Grunde genommen einzelne Aktien zusammen, die aber ein erhöhtes Risiko haben, weil sie alle aus einer Branche oder einem Bereich sind. Mein Rat für den Anfang ist wirklich, auf eine Fonds-Lösung zu setzen oder vielleicht auch auf einen ETF, der möglichst viele Aktien drin hat, sodass man sein Risiko streut.

Um anzufangen kann man erstmal mit einem Sparplan starten und da ein möglichst breit aufgestelltes Produkt kaufen, sodass man schon mal einen großen Korb an Aktien hat. Wenn man dann sagt „Ich habe noch Geld übrig und würde gerne noch was Spezielleres kaufen – ich interessiere mich für Biotechnologie oder für künstliche Intelligenz oder Raumfahrt oder irgendwelche anderen Sachen“, dann kann man überlegen, ob man vielleicht noch etwas dazukauft. Denn in dem Bereich ETFs und Fonds gibt es natürlich alle Spezialitäten, für die man sich nur irgendwie interessieren kann. Also auch Luxus oder Automobile, Mobilität insgesamt – jedes Thema, das man sich eigentlich vorstellen kann, gibt es nochmal abgebildet in einem ETF oder Fonds.

Wenn du schon mit 20 Jahren anfängst, reichen sogar 25 Euro im Monat aus, um bis 60 auf eine ganz schöne Summe zu kommen. Aber es ist natürlich klar: Je mehr Geld du zurücklegen kannst, desto besser. Also wenn du 100 Euro im Sparplan drinnen hast, dann macht das umso mehr aus. Man kann sich das ja ganz einfach ausrechnen: Wenn man 100 Euro im Monat spart, dann spart man 1200 Euro im Jahr, darauf dann die Rendite, die bei einem Aktienfonds vielleicht bei 5, 6, 8 Prozent liegt. Dann kann man sich überlegen, wie viel Geld da zusammenkommt und wie viel das bei 25 Euro im Monat wäre. Aber ich sage mal gerade für junge Menschen, die vielleicht noch in der Ausbildung stecken, ist es natürlich immer besser, erstmal 25 Euro beiseitezulegen als gar nichts. Die Hürde sollte möglichst gering sein und deshalb denke ich mir: 25 Euro – das sind irgendwie 4 Kaffee bei Starbucks oder so – die kann man auf alle Fälle anlegen.

3. Es gibt verschiedene Wege mit Geld umzugehen: Man kann sparen, anlegen, aber auch spenden. Wie teilst du dein Geld auf und was würdest du mir aktuell empfehlen? Das sind im Prinzip zwei Fragen – du hast natürlich mehr Geld als ich. Aber toll wäre, wenn du mir aus beiden Perspektiven antworten könntest.

Es ist ganz wichtig, dass man das Geld, das man in Aktien investiert, erstmal nicht braucht. Also der Teil, den du da investierst, der sollte erstmal für ein paar Jahre stillliegen. Das heißt für den Fall, dass du mal einen Notgroschen brauchst, macht es Sinn, noch etwas ganz normal auf einem Tagesgeldkonto oder, naja nicht gerade unterm Kopfkissen, zu haben. Und dann ist natürlich immer die Frage, auch etwas zu spenden. Das kann man heute ja auf sehr elegante und schöne Art und Weise tun. Selbst, wenn man „nur“ sagt, man möchte was für die Natur oder die Umwelt tun und möchte CO2 Ausgleich leisten, das ist ja auch so etwas Ähnliches wie eine Spende, dann kann man das oft ganz automatisch bei seinen täglichen Erledigungen machen. Auch sehr schön: Man überlegt sich, dass man einmal im Jahr ein bisschen mehr Geld zusammengespart hat, sodass man eine bestimmte Summe für einen guten Zweck spendet, für den man sich interessiert. Das würde ich auf jeden Fall schön finden, wenn man das auch in seine Sparüberlegung mit einbezieht.

Ich finde, gerade wenn man jung anfängt, dass man einen großen Teil in ein Anlageprodukt stecken sollte. So hat man einfach lange Zeit und die Möglichkeit, sich wirklich ein eigenes Vermögen aufzubauen. Für das Spenden sollte man sich dann überlegen, wo man Interesse dran hat, wo man sein Herz drin wiederfindet und sich überlegen, dass man dort zum Beispiel einmal im Jahr einen Teil seines Geldes hingibt. Eine Faustregel habe ich da persönlich nicht. Für den Notgroschen gibt es aber tatsächlich die Faustregel, dass man ca. 1-2 Monatsgehälter auf dem Konto haben sollte, falls irgendwas kaputt geht oder schnell bezahlt werden muss. Dann kann man sagen: „Das Geld habe ich da und ich muss jetzt nicht extra einen Kredit aufnehmen“. Es ist tatsächlich heute so, dass dir für Anschaffungen wie eine neue Waschmaschine die Elektronikfachhändler auch schon tolle Angebote machen, sodass du z.B. eine 0% Finanzierung hast, und im Prinzip heute schon fast keinen Notgroschen mehr brauchst.

Aber ich halte es für richtig, erstmal 1-2 Monatsgehälter für Notfälle beiseitezulegen, einen Großteil für sein eigenes Anlagepaket zu nutzen und dann einmal am Ende des Jahres etwas Gutes zu tun – vielleicht ja sogar mit Gewinnen! Weißt du, du siehst ja auch, wie sich deine Anlagen über das Jahr entwickeln und dann kannst du ja einen Teil von deinem Aktiengewinn auch nehmen und spenden. Beispielsweise wenn du eine Dividendenausschüttung hast. Da wird man sicherlich in dieser Kombination, wenn man Geld anlegt und möglicherweise Geld zurückbekommt oder Gewinne daraus macht, auch einen Teil rausbekommen, den man dann auch spenden kann.

ein Artikel von
Alicia Peters
Alicia Peters
Alicia hat sich im Rahmen ihres Studiengangs „Kultur der Metropole“ mit stadtkulturellen Veränderungen beschäftigt und sich nebenbei das nötige Wissen zum Leben im Großstadtdschungel Berlin angeeignet. In ihrer Kolumne "Young, broke (?) and happy" nimmt sie die Leser*innen mit auf ihren Weg zu finanzieller Selbstbestimmtheit und berichtet dabei von eigenen Erfolgen und Rückschlägen.

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