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ANGELEGT!

Urlaub in Zeiten von Corona

von Leonhard Fischer

Unser Kolumnist Leonhard Fischer hat sich auch in diesem Jahr nicht von seinen Reiseplänen abbringen lassen. Und versucht nun, sich mit den Corona-Restriktionen zu arrangieren. Für ZASTER fasst er zusammen, was ihm aufgefallen ist.

Im April habe ich an dieser Stelle zugegeben, heimlich meine Urlaubsplanung zu verfolgen. Damals vertraten einige unserer Politiker noch sehr vehement die Auffassung, dass wir dieses Jahr bedingt durch Corona von Auslandsreisen, insbesondere von solchen mit Urlaubscharakter, absehen sollten. Nun, nachdem ich einige europäische Länder in den letzten beiden Monaten entweder aus geschäftlichen oder aus privaten Motiven besucht habe, ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz zum Thema Reisen in Zeiten von Corona. Ich möchte meine persönlichen und damit keineswegs repräsentativen Beobachtungen in drei Punkten zusammenfassen.

Es ist keine Frage. In diesem Sommer ist es etwas ganz besonderes, Europa zu sehen. Ganz oben auf meiner persönlichen Liste steht mein Besuch in Athen im Juni. Ganz allein über die Akropolis zu laufen, war schon ein einmaliges und wohl unwiederbringliches Erlebnis. In den Cafés in den Straßen um die Akropolis, wo sich sonst Massen an Touristen drängten, saßen die Einheimischen und tranken Café, lasen Zeitung oder diskutierten miteinander. Es war wie eine Reise in die Vergangenheit. Auch fiel mir an allen Orten auf, mit welcher Freundlichkeit und großen Mühe dem Gast trotz der Corona-Restriktionen eine schöne Zeit bereitet werden soll. Mein Respekt und mein Kompliment an die Menschen im Hotel und Gastronomiegewerbe unter diesen schweren Bedingungen. Auffallend ist auch, dass es zwar Urlauber gibt, aber faktisch keine Geschäftsreisenden. In der Folge kann es passieren, dass man sich im Luxushotel einer Großstadt mit einer Handvoll Menschen das Hotel teilt.

Erschwerend für alle Reisen in diesem Sommer ist die ständige Unsicherheit über Regeln und Anforderungen der Ein- oder Ausreise. Insbesondere, weil diese Regeln sich schnell ändern können. Das macht jede Planbarkeit sehr, sehr schwer. Als Folge ist das Reisen in Europa ein kleines Abenteuer mit gewissen Unwägbarkeiten. So ist man am besten bedient, im Zweifel auch kurzfristig, eigene Pläne den neuen Gegebenheiten anzupassen. Aber es lohnt sich. Und noch eine kleine Anmerkung. Wie auch immer man zu den Regeln in den Reiseländern bezüglich Maskentragen und anderem stehen mag. In einigen Ländern wie Spanien oder Italien hat das Virus viel schlimmer gewütet als bei uns. Die dortigen Regeln zu akzeptieren, ist wohl das mindeste was man von uns als Gästen erwarten kann. Wem das nicht passt, kann ja zu Hause bleiben.

Kommen wir zur Schwachstelle des Reisens in diesem Sommer. Das ist das Flugzeug. Schon zu den besten Zeiten sind Flughäfen und Flugzeuge nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Aber jetzt erst recht nicht. Um es in einem Satz zu sagen: Das Flugerlebnis ist das Gegenteil von Social Distancing. Wenn man mich fragt, wo ich mich in den letzten Wochen trotz Maske am unwohlsten gefühlt habe? Dann muss ich ganz klar sagen: am Flughafen und im Flugzeug. Es gibt zwar nur noch wenige Flüge, aber die sind seit Mitte Juni oft voll bis auf den letzten Platz und gerne werden alle Flüge dann von einem kleinen Teil des Flughafen abgewickelt. Dort stehen die Menschen manchmal kreuz und quer in langen Schlangen beim Boarding, während immer wieder die Durchsage kommt, dass man doch bitte Abstand waren sollte. Das ist schon fast komisch, wenn es nicht so gespenstisch wäre, mit Hunderten von Menschen mit Gesichtsmasken dichtgedrängt auf den Einstieg zu warten. Einige Flughäfen mögen es auch, die Reisenden zwischendurch noch einmal in voll besetzten Bussen zwischenzulagern. Meinen Kommentar zur Stimmung an Bord mit voll besetzten Sitzreihen erspare ich euch. Aber achtet darauf, keinen Hustenanfall zu bekommen. Im Zweifel könnt ihr es auch machen wie mein Bekannter, der mit seinem Wagen 30 Stunden durchgefahren ist, um von London nach Ibiza zu gelangen. Trotz aller Widrigkeiten bevorzuge ich da aber doch das Flugzeug.

Meine Zusammenfassung: Wer Europa sehen will, dies ist der Sommer. Wer Urlaub wie sonst erwartet, sollte lieber zu Hause bleiben. Was auch immer ihr plant, genießt es.

ein Artikel von
Leonhard Fischer
Leonhard Fischer
Leonhard Fischer ist ein international anerkannter Kapitalmarkt-Experte und kreativer Vordenker im Finanzwesen. Das Manager Magazin bezeichnet ihn als "Banker mit Wunderkindzertifikat". Er begann als Investmentbanker bei J.P. Morgan und wurde mit nur 36 Jahren Vorstand bei der Dresdner Bank, später auch bei der Allianz. Er war CEO des Schweizer Versicherers Winterthur und Vorstand bei der Credit Suisse. 2017 erschien sein Buch "Es waren einmal Banker: Warum das moderne Finanzsystem gescheitert ist". Leonhard Fischer ist Vorsitzender des Anlageausschusses von Der Zukunftsfonds. In seiner ZASTER-Kolumne "Angelegt!" verrät er wertvolle Geheimnisse rund um die Geldanlage.

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