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VERGLEICH

Deutschland ist Weltmeister – bei den Strompreisen

von Nils Matthiesen

Wir müssen immer mehr für Strom zahlen, in keinem anderen Land der Welt ist Elektrizität so teuer. Ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar.

Bei den Strompreisen geht es weiter nach oben. Strom kostet in Deutschland jetzt im Schnitt 32,10 Cent pro Kilowattstunde. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Preisanalyse des Preisvergleichsprotals Verivox von 135 Ländern. Damit ist Deutschland weltweit auf Platz 1. Auf Platz zwei folgt Dänemark mit 27,81 Cent, dahinter folgen die die Bahamas mit 27,73 Cent. Im weltweiten Vergleich am günstigsten ist Strom im Sudan. Hier kostet eine Kilowattstunde schlappe 0,24 Cent. Ebenfalls besonders günstig ist Elektrizität in Äthiopien (0,90 Cent), Kirgisistan (1,03 Cent) und Simbabwe (1,22 Cent). Im globalen Durchschnitt sind es 12,22 Cent.

Strom: Deutsche zahlen 163% mehr als der Rest der Welt

Doch nicht nur in Entwicklungsländer fällt der Strompreis im Vergleich zu Deutschland viel niedriger aus, auch in anderen Industiernationen. So zahlen private Verbraucher in den USA mit durchschnittlich 13,03 Cent pro Kilowattstunde weit weniger als die Hälfte als wir. Auch in Ländern wie Saudi-Arabien, Russland, Mexiko, China, Indien, Argentinien, Indonesien, der Türkei, in Kanada und Südkorea sind weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde Strom fällig. Im internationalen Durschnitt sind es 12,22 Cent. Somit liegt das deutsche Preisniveau 163 Prozent über dem Rest der Welt.

Selbst bei Berücksichtigung der unterschiedlichen Preisniveaus schneidet Deutschland mit Platz 16 schlecht ab und avanciert zum teuersten G-20-Staat. Dahinter folgen mit Abstand Italien und die Türkei. Im kaufkraftbereinigten Vergleich am teuersten ist Strom in Ruanda, gefolgt von Nicaragua und Burkina Faso. Am günstigsten ist es im Sudan, in Äthiopien und in Simbabwe.

Warum ist Strom in Deutschland so teuer?

Nur zur Erinnerung: Im Jahr 2000 lag der Strompreis in Deutschland noch bei 14 Cent – das entspricht einem Anstieg von fast 130 Prozent. Besser ist der Strom durch die Preiserhöhung aber nicht geworden. Verantwortlich ist in erster Linie die EEG-Umlage, die den Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert. Sie hat sich seit 2004 mehr als verzehnfacht. Es sind also vor allem Steuern, Abgaben und Umlagen, die seit Jahren für kletternde Strompreise. Du kennst das von der Tankstelle: Genau wie bei Sprit besteht mehr als 50 Prozent des Strompreises aus Steuern, Abgaben und Umlagen.

Werden die Strompreise weiter steigen?

Das ist schwer vorherzusagen. Bislang ist etwa unklar, ob die Netzentgelte 2021 weiter ansteigen. Diese für den Netzausbau und erneuerbare Energien vorgesehen Abgaben für seit Jahren zu Kostensteigerungen. Erst ab 2022 – so sieht es das Konjunkturpaket vor – soll die Abgabe auf 6 Cent gedeckelt werden und könnte somit für leichte Entlastung sorgen. Gewaltige Preisabschläge sind aber unrealistisch.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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