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BÖRSENINSIDER

So gut sind die Fonds der Crash-Propheten

von Nils Matthiesen

Crash-Propheten scheinen genau zu wissen, wie der Hase an der Börse läuft. Und sie beschwören den Absturz der Börsen. Alle drei Monate neu. Deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit ihren Aussagen irgendwann recht bekommen mit jedem Mal, wenn sie es behaupten. Einige von ihnen haben eigene Fonds aufgelegt. Doch wie schneiden ihre Produkte ab? ZASTER hat's geprüft.

Es ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Der nächste Börsencrash kommt. Die entscheidende Frage ist nur wann, sagen die Expert*innen, die Crash-Gurus. Wann genau, das kann das niemand beantworten.

Mit der Vorhersage von Börsencrashs ist es ähnlich wie bei Erdbeben. Es wird sie wieder geben. Aber trotz historischer Statistiken und enormer Fortschritte bei der Vorhersagetechnik können Wissenschaftler*innen nicht exakt vorhersagen, wann sie auftreten.

Auch für Börsencrashs gibt es historische Muster, die aber kaum weiterhelfen. Abstürze gab es schon bei hohen Bewertungen, niedrigen Bewertungen, hohen Zinssätzen, niedrigen Zinssätzen, hoher Inflation, niedriger Inflation und allem dazwischen. Trotzdem machen uns Experten immer wieder weis, dass der nächste Knall unmittelbar bevorsteht. Das Thema spricht viele Anleger*innen an. Wer will schon sein schwer verdientes Geld verlieren? Weil fast alle Medien und Marktteilnehmer die Anleger adressieren, haben Crash-Propheten eine große Bühne.

Dirk Müller: Das Gesicht der Börse

Einer der Crashpropheten ist Dirk Müller, auch als Mr. Dax bekannt. Wann immer es an der Börse turbulent zugeht, hält er passend zur Stimmung sein Gesicht in die Kameras. Früher als Börsenhändler, der uns locker und leicht die Aktienwelt erklärt, heute als verkopfter Mahner, der alle drei Monate den großen Crash prophezeit und Verschwörungstheorien nicht abgeneigt ist. Aber er würde es natürlich anders formulieren. Mittlerweile beträgt das geschätzte Vermögen von Dirk Müller 10 Millionen Euro, er ist zu einer Marke geworden. Einer seiner Einnahmequellen ist die Verwaltung des „Dirk Müller Premium Aktien“-Fonds, der inzwischen über 500 Millionen Euro eingesammelt hat. Was hat Mr. Dax also als Fondsmanager drauf?

So schlägt sich Dirk Müllers Fonds

Als Fondsmanager hebt er sich nicht sonderlich vom Durchschnitt ab, um es positiv zu formulieren. Den Dirk Müller-Fonds gibt es jetzt seit über fünf Jahren, der Ausgabekurs lag bei 100 Euro. Wer zu diesem Kurs eingestiegen ist und heute (4.6.2020) seine Anteile verkaufen würde, hätte unterem Strich einen Verlust von rund drei Prozent zu verbuchen. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex DAX hat im gleichen Zeitraum rund 5 Prozent zugelegt, der US-amerikanische S&P 500 sogar um rund 50 Prozent.

Bei dieser Rechnung wären noch nicht einmal die verhältnismäßig hohen Gebühren eingerechnet, wie der happige Ausgabeaufschlag von 4 Prozent sowie die hohe Total Expense Ratio („Gesamtkostenquote“) von 1,64.

Die spannende Frage lautet aber: Wie hat sich der Fonds im jüngsten Crash gemeistert? Konnten hier seine Qualitäten zum Zuge kommen? Leider auch nur mäßig. Zwar ging der Wert des Fonds nicht herunter, sondern sogar ein wenig nach oben, allerdings haben die Indizes den Fonds durch die jüngste Rallye im Dreimonatsvergleich sogar wieder überholt.

Der Müller-Fonds hat der Krise zwar getrotzt, den Aufschwung aber nicht mitgenommen.
Der Müller-Fonds hat der Krise zwar getrotzt, den Aufschwung aber nicht mitgenommen. © finanzen.net

Der Max Otte-Fonds

Ein weiterer waschechter Crash-Prophet ist Max Otte. Er ist Autor des Buchs „Weltsystemcrash“. Laut Otte ist unser Wirtschaftssystem am Ende. Es drohe nicht nur eine weitere Finanzkrise, sondern eine handfeste Wirtschaftskrise inklusive handfester politischer Verwerfungen. Die Märkte werden verrückt spielen. Und dagegen müsse man sein Portfolio mit den entsprechenden Wertpapieren absichern.

Bei seinem Max-Otte-Vermögensbildungsfonds hat er das vergessen, wie es aussieht. Denn sein Fonds ist im Frühjahr im Gleichschritt mit dem DAX auf Talfahrt gegangen. Langfristig schneidet der Fonds unterdurchschnittlich ab.

Es sieht so aus, als hätte Max Otte seinen Fonds nicht ausreichend gegen Kursverluste abgesichert.
Es sieht so aus, als hätte Max Otte seinen Fonds nicht ausreichend gegen Kursverluste abgesichert. © finanzen.net
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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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