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Achtung Abzocke

Reich mit WhatsApp: Was steckt dahinter?

von Nils Matthiesen

In ein paar Wochen kannst du mit ein paar Klicks steinreich sein – versprechen zumindest fragwürdige Clips bei YouTube. Zaster klärt auf, was dahintersteckt.

Reich werden kann so einfach sein – glaubt man zumindest gewissen Spots auf YouTube und auf Nischensendern. Die krude Message: Man muss sich zum Mitmachen nur bei einer WhatsApp-Gruppe anmelden und schon steht in wenigen Wochen ein schicker Lambo vor der Tür und eine feiste Rolex baumelt am Handgelenk. 10.000 oder 20.000 Euro pro Monat scheinen auf jeden Fall kein Problem zu sein. Und das, selbst wenn man, wie die Protagonisten glaubhaft vermitteln, nicht unbedingt zu den hellsten Kerzen auf der Torte zählt. Hört sich ein bisschen zu gut an, um wahr zu sein, oder?

Hochriskante Spekulationen

Und so ist es auch: Wer mitmacht und sich anmeldet, landet umgehend auf Trading-Seiten oder muss sich entsprechende Apps herunterladen. Zudem gibt es fortan per Kurznachricht „heiße“ Tipps, welche Trades aktuell besonders hohe Gewinne versprechen. Ab und zu gibt zudem ein Gruppenmitglied gerne zum Besten, was es für wieder für tolle Gewinne eingestrichen hat und in welchen Luxusartikel er diese umgemünzt hat. Du ahnst es wahrscheinlich schon: Da steckt nicht die ganze Wahrheit dahinter.

Totalverlust droht

Tatsächlich dreht es sich bei diesen Geschichten um den Handel von CFDs und binären Optionen.

  • CFDs (Contracts for Differences): Dabei handelt es um hochspekulative Finanzprodukte. Ähnlich wie Optionsscheine und Turbozertifikate hebeln sie Kursbewegungen an der Börse. Du setzt dabei entweder auf fallende (short) oder steigende (long) Kurse von Aktien und anderen Wertpapieren. Mit ihrer Hilfe lassen sich in der Tat mit wenig Kapitaleinsatz hohe Gewinne erzielen. Gleichzeitig besteht aber auch das Risiko seinen gesamten Einsatz zu verlieren. Darüber hinaus besteht sogar die Gefahr, mehr Geld zu verlieren, als man eingesetzt hat (Nachschusspflicht). Die Verlustrisiken sind auf jeden Fall höher als die Gewinnchancen. Statistiken von Online-Banken haben zum Beispiel gezeigt, dass nach einem Jahr ungefähr 90 Prozent aller CFD-Konten mit einem Kontostand gegen null wieder dichtmachen.
  • Binäre Optionen: Binäre Optionen funktionieren ähnlich wie CFDs. Du wettest auf steigende oder fallende Kurse. Dabei erwirbst du keine echten Vermögenswerte, sondern platzierst lediglich eine Wette auf die Kursentwicklung von Aktien, Gold, Aktien, Öl oder Währungen. Es gibt nur Gewinn oder Totalverlust, daher die Bezeichnung „binär“ (0 oder 1). Liegst du richtig, erzielst du meist einen Gewinn zwischen 60 und 90 Prozent, andernfalls ist der komplette Einsatz futsch. Immerhin musst du hier nicht noch draufzahlen.

Das Verlockende an beiden Anlageformen: Für den Handel sind im Prinzip kaum Vorkenntnisse erforderlich. Das Ganze ist sehr simpel gestaltet und Trades lassen sich in wenigen Sekunden über Apps abwickeln. Aus diesem Grund sind binäre Optionen und CFDs besonders bei Börsen-Neulingen beliebt.

Vorsicht: Positive Berichterstattung

Erstaunlich: Wer nach den Begriffen googelt, findet fast nur positive Berichte und Stimmen. Vertrauenswürdige oder objektive Infos über CFDs und binäre Optionen zu finden, ist dagegen alles andere als einfach. Der Grund: Die dahinterstehenden Broker investieren massig Geld in Online-Marketing und Social-Media, wodurch viele Berichte und Forenbeiträge nichts anderes als reinen Paid-Content darstellen. Was du ebenfalls wissen musst: Die Betreiber der WhatsApp-Gruppen erhalten für die Vermittlung der Aufträge mutmaßlich dicke Provisionen.

Fazit

Was zu verlockend klingt, ist es meist leider auch. Der Handel mit hochspekulativen Anlagen wie CFDs und binären Optionen kann dich zwar wirklich zum Millionär machen, die Chancen stehen aber eher schlecht als recht, wie die Erfahrung zeigt. Genauso gut könntest du dein sauer verdientes Geld in Fußballwetten oder Lotto stecken. Das ist aber genauso wenig empfehlenswert.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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