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STEIGENDE PREISE

Inflation im Anmarsch? So schützt Du Dein Geld

von Nils Matthiesen

Riesige Konjunkturprogramme, billige Zinsen, kräftiger Aufschwung nach der Krise: Die ideale Mixtur für stark steigende Preise. Wenn es soweit kommt, solltest du vorbereitet sein.

Die Warnungen, dass uns eine höhere Inflation erwartet, zeigen sich an vielen Ecken. Viele Unternehmen erhöhen die Preise, gleichzeitig kommen auf anderen Gebieten steigende Kosten auf uns zu. Die Folge: Die Preise könnten auch auf breiter Front klettern, unser Geld wäre damit weniger Wert. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann rechnet in diesem Jahr angesichts der wieder gestiegenen Mehrwertsteuer und der neuen CO2-Steuer, mit diesem Phänomen. „Die Inflationsrate bleibt nicht auf Dauer so niedrig wie im vergangenen Jahr“, äußerte er in einem Interview mit der der „Augsburger Allgemeinen“. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex könnte demnach zum Jahresende bei über 3 Prozent liegen.

COVID-19 treibt die Preise

Aufgrund der hohen Staatsverschuldung ist ein moderater Inflationsanstieg willkommen. Aus diesem Grund halten die Notenbanken die Leitzinsen derzeit so niedrig. Pessimisten machen sich jedoch Sorgen über diesen Ansatz. Sie denken, dass die aufgestaute Nachfrage aufgrund des pandemischen Lebensstils zu einem plötzlichen Anstieg der Ausgaben führen könnte, sobald COVID-19 unter Kontrolle ist. Dieser Zustrom von Geld in die Wirtschaft würde die Preise in die Höhe treiben - und damit möglicherweise die Inflation über das Ziel von knapp über 2 Prozent treiben.

Die Folgen hoher Inflationsraten

Ein kurzfristiger Zeitraum mit etwas höherer Inflation wäre kein großes Thema, aber eine längere Periode mit einer Inflationsrate oberhalb von 3 Prozent kann problematisch sein. Denn in diesem Fall steigen gleichzeitig deine Lebenshaltungskosten, während die Investitionsrendite sinkt. Zudem steigt die Gefahr, dass Kredite teurer werden. Denn zum einen könnten die Banken höhere Zinsen verlangen, um die Inflation auszugleichen. Und zum anderen könnte die Leitzinsen steigen, wenn die Notenbanken Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung ergreifen. Ob es tatsächlich zu einer rapiden Steigerung der Inflationsrate kommt, ist zwar alles andere als sicher, trotzdem kann es nicht schaden, deine Finanzen vor unsicheren wirtschaftlichen Zeiten zu schützen. Hier sind drei Tipps, mit denen du dich absichern kannst.

Gegen hohe Inflation absichern

  • Tipp 1: Weiter in Aktien investieren:

    Steckst du Geld in Aktien (oder ETFs oder Aktienfonds) ist es vor der Inflation ziemlich sicher. Denn einerseits sind Aktien „Sachwerte“, ihr Wert steigt also mit der Inflation. Zum anderen tendiert der Aktienmarkt dazu, die Inflationsrate zu übertreffen. Aktien von marktführenden Firmen („Blue Chips“) gelten als besonders inflationsresistent. Denn sie sind durch ihre Marktmacht eher in der Lage, höhere Preise durchzusetzen und damit der Inflation entgegenzuwirken. Da hohe Inflationsraten zudem nicht rund um die Welt gleichzeitig auftreten, sind große, global agierende Unternehmen besser gewappnet.

    Gewinnrückgänge in dem einen Teil der Welt lassen sich an anderen Orten kompensieren. Unternehmen, die Güter des täglichen Bedarfs produzieren, vertreiben oder verkaufen, schneiden in inflationären Zeiten ebenfalls oft gut ab. Selbst bei knapper Kasse werden die meisten etwa weiter Toilettenpapier, Medikamente und Lebensmittel kaufen. Aber sie werden vielleicht weniger bereit sein, Geld in teuren Urlaub oder anderen Luxus zu stecken.

  • Tipp 2: Überprüfe deine Reserven:

    In der Regel empfehlen Experten, drei bis sechs Monate Monatsgehälter in der Hinterhand zu haben, um schlechte Zeiten wie Arbeitsplatzverlust, unerwartete Reparaturen oder schwere Krankheiten problemlos überstehen zu können. Generell gilt die Devise: Je mehr, desto besser. Im Fall hoher Inflation lautet dagegen das Motto: Viel mehr, desto besser. Und zwar aus folgendem Grund: Aktuell sind Kredite günstig, in schlechten Zeiten an Geld zu kommen ist kein großes Thema. Bei hoher Inflation ändert sich aber die Sachlage. Erstens: Wenn die Preise steigen, wird eine kleine Bargeldreserve kaum ausreichen, um die Lebenshaltungskosten nach einem Einkommensverlust zu decken. Und zweitens nehmen steigende Zinsen die Möglichkeit billig Schulden aufzunehmen.

  • Tipp 3: Checke deine Kredite:

    Apropos Schulden: Inflation kann gut oder schlecht für deine Finanzen sein, wenn du Schulden hast. Auf der einen Seite kannst du deine Schulden mit Geld zurückzahlen, das weniger wert ist als das Geld, das du dir geliehen hast. Andererseits sind steigende Zinskosten möglich. Aktuell sind die Zinssätze noch immer niedrig, so dass es jetzt ein guter Zeitpunkt sein könnte, hoch verzinste Schulden unter die Lupe zu nehmen und Möglichkeiten zur Umschuldung auszuloten.

Fazit

Die Inflation könnte in den kommenden Monaten zum Thema werden – oder auch nicht. Trotzdem: Deine Finanzen entsprechend aufzustellen, kann nicht schaden.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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