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young, broke (?) and happy

Berufseinstieg in Zeiten von Corona

von Alicia Peters

Die Corona-Pandemie begleitet unseren Alltag schon seit mehr als ein Jahr – und wirkt sich auch auf das Arbeitsleben aus. Unsere Kolumnistin über die Schwierigkeiten, die ein Berufseinstieg in diesen Zeiten mit sich bringt.

Wie ihr in meiner Kolumne „Der Beginn meiner Geldreise“ erfahren habt, bin ich im Herbst letzten Jahres als frisch gebackene Bachelorabsolventin in die Berufswelt eingetaucht, habe mich auf neue Erfahrungen, neue Perspektiven und neue Kontakte gefreut. Da gab es nur ein Problem, das ich voller Vorfreude auf das „Abenteuer Berufsstart“ ganz außer Acht gelassen habe – die Corona Pandemie, die uns mittlerweile schon seit mehr als einem Jahr begleitet.

Manchmal sieht man halt den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mir war ehrlich gesagt gar nicht bewusst, wie stark sich die Pandemie auf meinen Berufseinstieg auswirken würde, als ich Ende September 2020 meinen Arbeitsvertrag unterzeichnete. Fakt ist aber: Ich habe die Arbeitswelt bisher ausschließlich in Krisenzeiten kennengelernt und das ist, to be honest, gar nicht mal so einfach.

Ich will mich nicht beklagen, denn immerhin habe ich in diesen schwierigen Zeiten einen Job ergattern können. Ich möchte einfach nur ehrlich über Schwierigkeiten sprechen, die sich als Berufseinsteiger*in in Zeiten von Corona und Home Office stellen. Vielleicht ergeht es euch ja ähnlich: Ihr seid noch recht jung und gerade frisch angestellt. Vielleicht seid ihr auch in den Schlusszügen eures Bachelor- oder Masterstudiums oder habt gerade eure Abschlussprüfung absolviert. Lasst uns die Karten auf den Tisch legen und über Herausforderungen sprechen, die seit März 2020 für Berufseinsteiger*innen zum Alltag dazugehören!

1
Anschluss finden

Neuer Job, neue Kolleg*innen, neue Kontakte – so habe ich mir das vorgestellt. Allerdings ist es gar nicht so einfach, den Draht zu Kolleg*innen aufzubauen, wenn man sich seit Tag 1 im Home Office befindet. „Lass‘ uns nach der Arbeit mal was trinken gehen“, „Wollen wir gemeinsam Mittagessen?“… sowas habe ich in den letzten Monaten noch nie gehört. Da ich eine extrovertierte Person bin, fällt es mir für gewöhnlich absolut nicht schwer auf Leute zuzugehen, sie kennenzulernen, Freundschaften zu schließen. Sieht man einander allerdings lediglich durch den Laptopscreen, gestaltet sich ein unbeschwertes Kennenlernen doch ganz schön schwierig. Ich kenne einen Großteil meiner Kolleg*innen bisher nur bis zum Bauchnabel aus dem Teammeeting, das einmal die Woche stattfindet. Viel Zeit für einen persönlichen Austausch mit denjenigen, mit denen ich nicht Tag für Tag eng zusammenarbeite, bleibt da nicht.

2
Kommunikationsschwierigkeiten

Als Neuankömmling in einem Unternehmen beziehungsweise einem Team muss man sich erst einmal einfinden, Strukturen verstehen und vor allem hat man auch einige Fragen. Im Home Office findet die gesamte Kommunikation über den Laptop statt, sprich über Tools wie Slack, Microsoft Teams, Zoom usw. Das bedeutet auch, dass die Einarbeitung teilweise viel selbstständiger abläuft, denn bei jeder kleinen Fragestellung auf den Telefon-Button zu klicken und Kolleg*innen, die sowieso schon allerhand um die Ohren haben aus dem Workflow zu klingeln, stellt eine gewisse Überwindung dar. Fragen stellen ist analog meiner Meinung nach leichter als digital. Manchmal kommt es durch die digitale Kommunikation auch zu Missverständnissen. Da man sein Gegenüber noch nie im Real Life kennengelernt hat, können Äußerungen, die schnell mal eben getippt und abgeschickt werden, teilweise falsch verstanden werden. Zudem kann auch die Internetverbindung eine Hürde in Sachen Kommunikation darstellen. Alle hängen momentan zuhause fest, surfen im Internet und versuchen, ihren Job digital zu verrichten. Wenn dann gerade in dem Moment, in dem man in einer Teambesprechung mal den Mund aufmachen und etwas zur Besprechung beisteuern möchte, das Internet versagt, ist das ganz schön ätzend.

3
Neue Stadt, neue Leute, Pustekuchen!

Der Berufseinstieg ist häufig auch mit einem Umzug verbunden. Bei mir war es zumindest so – ich bin für meinen Job nach Berlin gezogen, da ich noch bis zu meinem 1. Arbeitstag davon ausgegangen bin, vor Ort im Office arbeiten zu dürfen. Weg von zuhause, rein in ein neues Umfeld. Auch hier ist es jedoch bedingt durch Corona nicht einfach, neue Leute kennenzulernen, da das öffentliche Leben größtenteils zum Erliegen gebracht wurde. Obwohl ich bereits vor meinem Umzug glücklicherweise ein paar wirklich tolle Freund*innen in Berlin hatte, habe ich mich in letzter Zeit auch manchmal alleine gefühlt. Falls ihr noch ganz frisch und ohne soziale Kreise in eine neue Stadt gezogen seid und euch manchmal Heimweh überkommt, hier ein kleiner Reminder: Das ist völlig normal und nachvollziehbar! Schnappt euch vielleicht 1-, 2-mal öfters den Hörer und telefoniert mit euren Freund*innen von zuhause oder eurer Familie. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um super-taff sein eigenes Ding durchzuziehen.

4
Always On

Wer einen Job beginnt, sprudelt üblicherweise voller Energie und Motivation und will seine Arbeit – so ist es zumindest bei mir der Fall – besten Gewissens verrichten. Im Home Office bedeutet das: Schnell aufs Klo huschen und dann zack wieder ran an die Arbeit! Dass man jedoch im „normalen“ Berufsalltag auch mal ‘nen Kaffee trinken und vielleicht auch 5-10 Minuten ins Gespräch mit Kolleg*innen treten würde, vergisst man schnell. Ich will definitiv nicht sagen: „Füße hoch im Home Office“, aber denke, dass ein paar Minuten Verschnaufzeit im Laufe eines 9 to 5 Jobs im Home Office mal ganz guttun. Gerade jetzt, wo das Wetter schöner wird, könnte man seine Nase, denke ich, schon einmal kurz weg vom Laptop rein in den Sonnenschein aus dem Fenster strecken. Diese kurzen Momente fördern auch die Arbeitsqualität. Auch die gesetzlich geregelte Pause sollte meiner Meinung nach bestmöglich eingehalten werden. Im Arbeitsalltag bedarf es Pausen, um kreativ, leistungsfähig und gesund zu bleiben (dies ist übrigens auch eine #notizanmichselbst).

Das (Berufs-)Leben muss ja irgendwie weitergehen, nicht wahr? Deswegen sollte man den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern die Herausforderungen, die ein Corona-Berufseinstig mit sich bringt wahrnehmen, reflektieren und lernen, damit umzugehen. Meine Tipps wären an dieser Stelle: Macht den Mund auf, traut euch Fragen zu stellen, versucht, so gut wie eben möglich, Kontakt zu euren Kolleg*innen zu knöpfen, haltet eure Mittagspause ein und nutzt kurze Momente, um voll Energie durch den Tag zu starten und das Beste aus euch rauszuholen. Und zuletzt: Seid ehrlich und fair zu euch, denn diese Situation ist wirklich nicht einfach und kann auch ganz schön auf die Psyche gehen.

Bisher gibt es zahlreiche Artikel zum Thema Jobsuche in Zeiten von Corona – ich wollte in den letzten Abschnitten jedoch zum Ausdruck bringen, dass es auch Problemstellungen gibt, wenn man erst einmal einen Job gefunden hat. Vielleicht konntet ihr euch in diesem Artikel wiederfinden. Vielleicht seid ihr aber auch schon alte Hasen auf dem Arbeitsmarkt und habt nun ein wenig Verständnis dafür bekommen, wie es euren neuen Kolleg*innen gerade so ergeht. Wer mag, darf mir super gerne eine Mail schreiben und sich weiter mit mir zu dieser Thematik austauschen. Da würde ich mich freuen!

Bis ganz bald!
Eure Alicia

ein Artikel von
Alicia Peters
Alicia Peters
Alicia hat sich im Rahmen ihres Studiengangs „Kultur der Metropole“ mit stadtkulturellen Veränderungen beschäftigt und sich nebenbei das nötige Wissen zum Leben im Großstadtdschungel Berlin angeeignet. In ihrer Kolumne "Young, broke (?) and happy" nimmt sie die Leser*innen mit auf ihren Weg zu finanzieller Selbstbestimmtheit und berichtet dabei von eigenen Erfolgen und Rückschlägen.

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