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Börsenmythen

3 populäre Börsencrash-Irrtümer im Check

von Nils Matthiesen

Rund um die Börse – speziell um dramatische Kursabstürze – ranken sich viele Mythen mit wenig Wahrheitsgehalt. Hier drei sehr beliebte Beispiele.

1 "Wenn Aktien fallen, wandert das Geld nur in andere Hände"

Das ist schlicht und ergreifend Quatsch. Niemand profitiert unmittelbar davon, wenn Aktien fallen. Allenfalls Spekulanten, die etwa mit Optionsscheinen auf fallende Kurse gesetzt haben. Wenn der Aktienkurs sinkt, bekommt niemand automatisch Geld – der Wert des Unternehmens sinkt schlicht und ergreifend. Und damit auch der Wert eines Anteilsscheins am Unternehmen, eben Aktien.

Ein anschauliches Beispiel: Du hast eine teure Ming-Vase in der Hand. Dann lässt du sie fallen und sie zerspringt in tausende Teile. Dann ist sie nichts mehr wert. Niemand hat aber etwas davon. Genau so verhält es sich auch mit fallenden Aktien.

2 "Der Kleinanleger ist immer der Dumme"

Die kleinen Leute, die ihr mühsam zusammengespartes Geld für die Altersvorsoge in Aktien gesteckt haben, träfe der Börsencrash besonders hart. Die Reichen und die Superreichen würden dagegen (wieder einmal) profitieren. Sprich: Das System bevorzuge Reiche und benachteilige Arme. Das hört man immer wieder. Dem ist aber nicht so: Es verlieren derzeit alle, Arme wie Reiche. Die zehn reichsten Milliardäre der Welt haben allein in der letzten Februarwoche an der Börse rund 80 Milliarden US-Dollar Verlust eingefahren.

Weitere Beispiele: Das Vermögen von Amazon-Boss Jeff Bezos schrumpfte im Februar um rund 18 Milliarden US-Dollar. Andere Superreiche traf es sogar noch härter: Bernard Arnault, Chef des Luxusgüter-Unternehmens LVMH (u. a. Louis Vuitton, Dom Pérignon), verlor an der Börse insgesamt rund 30 Milliarden US-Dollar. Zwar können Superreiche Verluste logischerweise besser verkraften als die meisten anderen Leute, weh wird es ihnen aber trotzdem tun.

3 "ETFs beschleunigen Crashs"

Börsengehandelte Indexfonds erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, vor allem bei Privatanlegern. Kritiker behaupten aber, Indexfonds könnten den Finanzmarkt zusätzlich destabilisieren, wenn es zu Kursabschlägen kommt. Denn sie würden die Abwärtsbewegung verstärken, weil die wachsende Herde passiver Anleger zeitgleich dieselben Aktien verkauft. Diese These hat die Deutsche Bundesbank überprüft.

Das Ergebnis in Kurzform: ETFs hätten bislang keinen nennenswerten Einfluss auf die Kursbewegungen. Allerdings könnte es zu größeren Abschlägen als bei aktiv gemanagten Fonds kommen. Zitat: „Insgesamt scheinen die von ETFs ausgehenden spezifischen Risiken für das gesamte Finanzsystem derzeit – auch wegen der noch vergleichsweise geringen Größe des Sektors – begrenzt.“

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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